Boden gutmachen

Eine Diskussion zu Landwirtschaft und Bodenschutz

BA 4(zg) Landwirte haben eine Schlüsselposition beim Erhalt der Böden als wichtiger Teil des Naturhaushalts. Darin waren sich Landwirte und Naturschutzbund (NABU) einig bei einer Podiumsdiskussion im Grünen Baum, zu der die Böll-Stiftung gemeinsam mit dem NABU Sinsheim Naturinteressierte aus allen Bereichen eingeladen hatte. Unter den knapp 70 Besuchern waren mehr als die Hälfte Landwirte, und so war eine lebhafte und vielseitige Diskussion garantiert.

Die Podiumsdiskussion eröffnete der Europaabgeordnete Martin Häusling, Mitglied des Agrarausschusses und Biolandwirt. Er erläuterte die Gefahren der Intensivlandwirtschaft und berichtete, dass jährlich 24 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion verlorengeht. Dabei ist Boden keine schnell nachwachsende Ressource: Die Bildung von einem Meter Boden dauert mindestens 20000 Jahre.

Im Kampf gegen die Erosion arbeitet der zweite Referent, Landwirt Horst Sandbühler aus Kraichtal, seit Jahren mit pflugloser Bodenbearbeitung. Er experimentiert sehr erfolgreich mit verschiedenen Zwischenfrüchten, lässt den Boden fast nie unbedeckt und versucht trotzdem, den Einsatz von Spritzmitteln zur Unkrautbekämpfung auf ein Minimum zu beschränken.

Anzeige SwopperAuch der dritte Referent des Abends, Landwirt Michael von Gemmingen aus Ehrstädt, bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Pflügen und dem Einsatz von Glyphosat als Unkrautvernichtungsmittel. Er berichtete, bestätigt von den anwesenden Landwirten, dass viele Bauern im Kraichgau sehr um eine naturnahe Bewirtschaftung bemüht sind. Ganz ohne den Einsatz von Glyphosat müsse aber wieder vermehrt der Pflug zum Einsatz kommen, was wiederum zu weiteren Erosionen führe.

„Jede mechanische Bearbeitung des Bodens führt nach einem starken Regenguss zu Verschlammung und Abtragungen“, war deshalb eines der Argumente für den Pestizideinsatz und gegen die ökologische Landwirtschaft. Der Biolandwirt Heimo Linse aus Angelbachtal und weitere ZuhörerInnen und Naturschützer wiesen dagegen auf die Gefährlichkeit von Spritzmitteln hin. Im März 2015 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Und auch wenn viele Kraichgauer Bauern durch Fruchtwechsel und Zwischenfrüchte dessen Einsatz erfolgreich vermindern bleibt doch die Tatsache, dass der Glyphosatverbrauch auch in Deutschland dramatisch ansteigt. Lag er 2010 noch bei ca. 6000 Tonnen wurden 2014 bereits rund 14000 Tonnen versprüht, auch mit der möglichen Folge unkontrollierbarer Resistenzen.

Und so war ein Fazit des Abends, dass Landwirte und Naturschützer, zumindest im Kraichgau, oft gar nicht so weit auseinander liegen. Viele gegenseitige Vorurteile konnten ausgeräumt und mehr Verständnis füreinander geschaffen werden.

Und klar wurde auch: Grundsätzlich einig ist man sich in dem Wunsch, unsere wertvollen Böden für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Quelle: Anja Wirtherle

Veröffentlicht am 10. Dezember 2015, 07:45
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