„Der ländliche Raum ist kein Selbstläufer“

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL und Dr. Albrecht Schütte MdL (CDU) im Gespräch mit Landwirten und Kommunalpolitikern im Kloster Lobenfeld

(zg) Lobbach. „Unsere Anliegen direkt an eine Staatssekretärin weiterzgeben zu können, diese Möglichkeit haben wir nicht so häufig“, so Doris Ebert, auf deren Initiative Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Albrecht Schütte zu einem Gespräch in das Kloster Lobenfeld gekommen waren. Neben Bürgermeister Edgar Knecht, seinen Stellvertretern Wolfgang Kuhnle und Ludwig Christ sowie dem Gemeinderat Bernhard Braun folgten auch Landwirte aus Lobbach der Einladung.

Gurr-Hirsch erläuterte zu Beginn des Gesprächs die Bedeutung des ländlichen Raums und dessen Entwicklung: „Der ländliche Raum in Baden-Württemberg ist einer der vitalsten in ganz Europa, aber das ist kein Selbstläufer.“ Man müsse immer wieder von Neuem dafür sorgen, dass er für alle Altersgruppen und für jeden Lebensabschnitt attraktiv bleibe. Dafür stehe unter anderem das Ministerium Ländlicher Raum, das es so in den wenigsten Bundesländern gäbe. Schütte wies daraufhin, welche (finanziellen) Anstrengungen das Land unternehme, damit die Lebensverhältnisse im ländlichen Raum mit der allgemeinen Entwicklung Schritt hielten.

Zu Beginn der Diskussion lenkte Doris Ebert die Aufmerksamkeit auf ältere Frauen im ländlichen Raum. Die 90-Jährige, die seit 1973 in Lobbach wohnhaft ist, erklärte, dass hier Angebote fehlten und die Treffpunkte immer mehr abnähmen. Ein Thema, das sie besonders umtreibe, sei, dass es auf dem Land kaum Altersheime gebe und man im Alter gezwungenermaßen aus seinem gewohnten Umfeld gerissen werde. Schütte und Gurr-Hirsch stimmten Ebert zu und fügten hinzu: „Es ist nicht leicht, Träger von Altersheimen in den ländlichen Raum zu bekommen, gerade wenn es an der ärztlichen Versorgung oder dem Vorhandensein einer Apotheke fehle.“ Die Politik arbeite unter anderem durch die Schaffung neuartiger Angebote daran, hier die Möglichkeiten zu erweitern.

Bürgermeister Edgar Knecht stellte den Ansatz für ein Gemeindeentwicklungskonzept für Lobbach vor – unter anderem die notwendige Erweiterung des florierenden Gewerbegebietes, die Schaffung von neuen Wohnbaugrundstücken sowie die innerörtliche Verdichtung durch Renovierung von Leerstand oder Umnutzung von ehemaligen landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Intensiv wurden die bürokratischen Hemmnisse und Beschränkungen gerade im ländlichen Raum für solch eine maßvolle und erfolgversprechende Entwicklung einer Gemeinde diskutiert.

Anschließend trugen die Landwirte ihre Anliegen an die Staatssekretärin, deren Familie ebenfalls in der Landwirtschaft tätig war, heran. Allgemeiner Tenor war: Das Level der Motivation in der Landwirtschaft sei auf einem Tiefpunkt. Nicht zuletzt liege das an der geringen Wertschätzung. Gurr-Hirsch bestätigte diesen Eindruck, unter anderem gelinge es nicht, der Gesellschaft klar zu machen, wie abhängig man als Landwirt von der Natur sei, da die Konsumenten selten die Auswirkungen von Frost oder wie zuletzt einer langen Dürrephase spüren würden, schließlich gebe es im Supermarkt ja auch bei Ernteausfall alle Produkte. Auch die deutlichen Anstrengungen für mehr Naturschutz bei der Bewirtschaftung würden nicht wahrgenommen. So werde zwar die zu hohe Stickstoffbelastung in Nord- und Ostdeutschland in den Nachrichten thematisiert, die wesentlich bessere Situation in Baden-Württemberg aufgrund eines reduzierten Einsatzes von Düngemitteln dabei aber nicht erwähnt.

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig: „Fachlich fundiertes Grundwissen ist besonders in der Landwirtschaft wichtig, bevor man über ein Thema entscheidet. Genau dafür sollte man in solchen Runden wie dieser regelmäßig zusammenkommen – um sich Informationen an der Basis zu holen.“

(Text/ Foto: Nahrgang)

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Veröffentlicht am 14. September 2018, 23:50
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