Pflegeausbildung im Praxistest

Dr. Jens Brandenburg MdB nutzte die parlamentarische Sommerpause für ein eintägiges Berufspraktikum als Pflegekraft im Pflegeheim “Neckargemünder Hof”

(zg) Eine gesamte Frühschicht lang begleitete der Walldorfer Bundestagsabgeordnete Dr. Jens Brandenburg die Altenpflegekräfte in ihrer alltäglichen Arbeit. Er zeigte sich beeindruckt von der abwechslungsreichen und geistig sowie körperlich sehr anspruchsvollen Arbeit sowohl der Pflegeassistenten, als auch der examinierten Altenpflegerinnen und Altenpfleger. „Man braucht viel Kraft und Geduld, um auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner einzugehen“, so seine Erkenntnis.

Insbesondere die aktuelle Ausbildungsreform von Pflegeberufen und die Sorge um mangelnde Fachkräfte in der Altenpflege veranlassten den Bundespolitiker dazu, die Einladung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) zu einem Praktikum anzunehmen und sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. „Wir müssen in Berlin dafür sorgen, dass der Beruf der Altenpflege durch angemessene Bezahlung und notwendige Entlastungen attraktiver wird“, ist Brandenburg überzeugt. Darin bestärkte ihn auch Michael Neibert, Einrichtungsleiter des “Neckargemünder Hofs“: „Um Pflegekräfte zu gewinnen und die pflegerische Versorgung langfristig in Deutschland sicher zu stellen, braucht es einen deutlichen gesellschaftlichen und politischen Bewusstseinswandel in Bezug auf die Wertigkeit des Pflegeberufs.“

Während seines Praktikums begleitete und unterstützte Brandenburg eine Pflegeassistentin und Altenpflegerin bei Ihrer Frühschicht. Beginnend mit dem morgendlichen Rundgang zur Pflege der Bewohner über die Frühstücksvorbereitung und Essensverteilung vermittelte ihm Petra Wäsch ab Schichtbeginn um 6:30 Uhr die vielfältigen Aufgaben und Anforderungen einer Pflegekraft. Im Büro der stellvertretende Wohnbereichsleiterin Sarah Leist erlebte er die umfangreichen Dokumentationspflichten und das vor einem Jahr eingeführte digitalen Pflegeplanungs- und Dokumentationssystem.

Neben der individuellen Pflege der Bewohner spielte insbesondere die soziale Betreuung eine wichtige Rolle. Im Rahmen der wöchentlichen „Erinnerungsstunde“ sprach Brandenburg mit den Bewohnern darüber, „wie es früher einmal war“. Erinnerungen an den Urlaub, an das Kofferpacken und persönliche Geschichten nutzen so als Gedächtnistraining. Nicht zuletzt beim Servieren des nachmittäglichen Kaffees und Kuchens hat er die persönlichen Gespräche mit den Bewohnern fortgeführt.

Bundestags- und Landtagsabgeordnete besuchen den „Neckargemünder Hof“ in regelmäßigen Abständen oder werden eingeladen. Der Einrichtungsleiter Michael Neibert betonte, dass Dauer und Intensität des Praktikums von Dr. Brandenburg dabei bisher beispielhaft waren und einen sehr positiven Eindruck bei den Pflegekräften hinterließen, die an der Basis die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen sicherstellen.

Dem umfassenden Einblick in den Arbeitsalltag der Pflegekräfte schloss sich ein pflegepolitischer Austausch mit der Heim- und Pflegedienstleitung an. Dort erkundigte sich Brandenburg nach den Herausforderungen und Hürden im Alltag der Altenpflege. Sandra Schmidt vom bpa, die ebenfalls am Gespräch teilnahm, wies unter anderem auf die systematische finanzielle Schlechterstellung von Heimbewohnern hin: „Obwohl die Bewohner Beitragszahler der Krankenversicherung sind, müssen sie die Kosten für die medizinische Behandlungspflege im Heim selbst bezahlen. Bei allen anderen Versicherten übernehmen die Krankenkassen die Finanzierung dieser Leistungen. Der bpa fordert daher seit Jahren die Beendigung dieser Ungleichbehandlung und die systemgerechte Übernahme der Kosten für die Behandlungspflege im Heim durch die Krankenversicherung.“

Er werde viele Eindrücke aus der Praxis mit nach Berlin nehmen, resümierte Brandenburg nach seinem Besuch im „Neckargemünder Hof“. Bei der geplanten Umstellung der Pflegeausbildung auf die Generalistik, die eine gemeinsame Ausbildung von Kinder-, Kranken- und Altenpfleger/innen vorsieht, müsse darauf geachtet werden, dass die spezifischen Anforderungen der Altenpflege nicht zu kurz kommen.

Im Rahmen einer Praktika-Reihe möchte der Sprecher für Studium, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag einen Einblick in den Praxisalltag verschiedener Berufsfelder gewinnen. Zuletzt lernte er so die Arbeit einer Krankenstation und einer Familienbäckerei kennen.

Der „Neckargemünder Hof“ wird seit 1990 als privates Pflegeheim in Neckargemünd geführt. Die bis zu 99 Bewohnerinnen und Bewohner in den Pflegegraden 1 bis 5  werden von nahezu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Bereichen Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft, Verwaltung und Technik nach dem Leitbild „Pflegen mit Herz“ versorgt.

Quelle: Alexander Schöpke

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Veröffentlicht am 23. August 2018, 07:25
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