Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“

Ab Donnerstag, 13. September, 17 Uhr, im Landratsamt in Heidelberg zu sehen / Ausstellung geht bis 12. Oktober – der Eintritt ist frei

Quelle: LmDR, Deutsche Schüler im Jahr 1978 am Batamschinsk – Aktobe, Kasachstan

(zg) Der Rhein-Neckar-Kreis lädt zum kostenlosen Besuch der Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ in das Landratsamt in Heidelberg (Kurfürsten-Anlage 38 – 40, 69115 Heidelberg) ein. Die Eröffnung erfolgt am Donnerstag, 13. September, um 17 Uhr. Für den Rhein-Neckar-Kreis mit einem hohen Anteil an Deutschen aus Russland – etwa 25 000  Personen – hat die Ausstellung einen besonderen Stellenwert.

Sie informiert auf 24 Stellwänden über die deutschen Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und ihre Geschichte. Konzipiert wurde sie von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) und mit Mitteln des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) realisiert. Eröffnet wird die Ausstellung durch den Ordnungsdezernenten des Rhein-Neckar-Kreises, Christoph Schauder, und Erika Neubauer, Vorsitzende des Kreisverbandes Rhein-Neckar-Kreis der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR). Der Projektleiter der Ausstellung, Jakob Fischer, übernimmt die Einführung. Im Foyer der Kreisverwaltung besteht am 13. September um 17 Uhr für die Bevölkerung zudem die Möglichkeit, auf einer Großleinwand Kurzfilme über die Geschichte und Integration der Deutschen aus Russland zu sehen. Projektleiter Fischer informiert mit interessanten Dokumentationen über die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, vom glücklichen Ankommen, von neuen Wurzeln, neuer Heimat und verständnisvollem Miteinander.

Deutschstämmige Zarin Katharina die Große lud Zuwanderer ein

Ausgelöst worden war die große Welle der Auswanderung von Deutschen nach Russland am 22. Juli 1763 durch ein Manifest der deutschstämmigen Zarin Katharina der Großen. Die eingewanderten Deutschen sollten mehrheitlich den Beruf eines Ackerbauers ausüben und die endlosen Steppen der Kirgisen und Tataren für den Weizenanbau nutzen. Um die südlichen und östlichen Grenzen des neu eroberten Territoriums Russlands an der Wolga, der Krim und im Osten des Riesenlandes vor Angriffen der  Nomadenstämme zu schützen, lud die Zarin Zuwanderer nach Russland ein. Die Mehrheit kam aus Deutschland, wo nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) große Not und Armut herrschte. 

Katharina II. versprach den deutschen Einwanderern Privilegien wie eine eigenständige deutsche Verwaltung, Glaubensfreiheit, Befreiung vom Wehrdienst, Steuerbefreiung und über 30 Hektar Land für jede Familie. So entstanden in der Zeit von 1764 bis 1862 viele deutsche Siedlungen an der Wolga, im Raum St. Petersburg, in der Ukraine, auf der Krim, im Kaukasus oder in Bessarabien. Die Folgen von zwei blutigen Weltkriegen und die daraus resultierenden Konflikte mit Deutschland trafen die Nachfahren der deutschen Auswanderer in der späteren Sowjetunion hart.

Es kam zu Pogromen und Deportationen, Enteignungen und Repressalien. Sie reduzierten die deutsche Bevölkerung um zwei Drittel. So ist es kein Wunder, dass in der Folge viele Deutsche die Russische Föderation und die Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR verlassen haben und in den letzten 30 Jahren ins Land ihrer Ahnen zurückgekehrt sind. Die Mehrheit der Russlanddeutschen ist inzwischen gut integriert und steht für ein Beispiel der gelungenen Wiedereingliederung in Deutschland. Durch die gezeigten Informationen soll die Ausstellung auch zum Abbau von Vorurteilen und zur Verbesserung der Akzeptanz russlanddeutscher Spätaussiedler in der deutschen Gesellschaft beitragen.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Oktober 2018 im Landratsamt zu sehen. Der Eintritt ist frei. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sowie Schulklassen sind herzlich eingeladen. Für Rückfragen und Anmeldungen für Führungen durch die Ausstellung stehen Erika Neubauer (Telefonnummer: 06221/71 29 46 oder 0176/61 16 74 56) sowie Jakob Fischer (0171/40 34 329, E-Mail: [email protected]) bereit. Weitere Informationen gibt es zudem unter www.deutscheausrussland.de und www.lmdr.de.

Quelle: Silke Hartmann

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Veröffentlicht am 9. September 2018, 07:00
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