Weltgeschichten

(zg) Am Donnerstag, 11. Juli 2019, hat die Badische Landesbühne auf ihrer Pressekonferenz ihren Spielplan für die Saison 2019.2020 vorgestellt. Intendant Carsten Ramm freute sich darüber, dass in Bruchsal „seit nun 70 Jahren Theatergeschichte geschrieben wird.“ Das Jubiläum werde im Frühjahr 2020 mit einer Fotoausstellung in der Sparkasse Kraichgau gefeiert. Ausgehend von der Eröffnungsinszenierung „Die Vermessung der Welt“ hat die Badische Landesbühne die kommende Spielzeit unter das Motto „Weltgeschichten“ gestellt. Ramm erläuterte dazu: „Die Stücke unseres Spielplans erzählen vielseitige Geschichten von inneren und äußeren Welten, sie zeigen verschiedene Weltauffassungen und fragen nach den Zusammenhängen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Um herauszufinden, wie diese auf unserem Planeten aussehen könnte, brauchen wir nicht zuletzt die Phantasie.“ Im Folgenden stellte Ramm zusammen mit Joerg Bitterich, dem Leiter der jungen BLB, der designierten Chefdramaturgin Petra Jenni und dem Theaterpädagogen Julius Ferstl den neuen Spielplan vor.

Anlässlich des Humboldt-Jubiläums inszeniert Arne Retzlaff zur Spielzeiteröffnung „Die Vermessung der Welt“. Daniel Kehlmann porträtiert in seinem humorvollen Roman den Naturforscher Alexander von Humboldt und den Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Zwei kauzige Genies, die auf je eigene Weise herausfinden wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Mit der literarischen Revue „Der Illegale“ setzt Carsten Ramm die Beschäftigung mit dem zu unrecht vergessenen Schriftsteller und Widerstandskämpfer Günther Weisenborn fort. Ramm konnte dafür zwei prominente Mitstreiter gewinnen: Konstantin Wecker vertont Songtexte Weisenborns und der Filmemacher Christian Weisenborn, Sohn des Autors, steuert exklusives Filmmaterial bei. „Das Schmuckstück“ ist eine Komödie über Rollenmodelle und Emanzipation aus der Feder von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy. Live-Chansons werden der Inszenierung französischen Esprit verleihen. Als eines der ersten Theater bringt die Badische Landesbühne Bettina Wilperts preisgekrönten Roman „nichts, was uns passiert“ auf die Bühne. Der jungen Autorin, die am 23. Januar 2020 zu einem Nachgespräch nach Bruchsal kommen wird, ist damit ein wichtiger literarischer Beitrag zum Thema sexuelle Gewalt gelungen. Regie führen wird Ruth Messing. Manipuliertes Bewusstsein, das Gefühl permanenter Überwachung und die zunehmende Durchdringung unserer Lebenswirklichkeit mit Technologie sind Themen von Rainer Werner Fassbinders Film „Welt am Draht“. Carsten Ramm wird den Science-Fiction-Klassiker auf der großen Bühne inszenieren. In Thomas Braschs Stück „Mercedes“ begegnen sich irgendwo im Nirgendwo ein junger Mann und eine junge Frau und philosophieren über den Sinn des Lebens. Die skurrile Liebesgeschichte wird in einer Inszenierung von Alexander Schilling im Hexagon zu sehen sein. Als Freilichtstück im Bruchsaler Theatersommer gibt es die Boulevardkomödie „Das Sparschwein“ von Eugène Labiche. Eine Pokerrunde aus der Provinz bricht nach Paris auf, um sich zu amüsieren und erlebt dort ihr blaues Wunder.
In Kooperation mit dem Societaetstheater Dresden zeigt die Badische Landesbühne nächste Spielzeit zudem Arne Retzlaffs Inszenierung von Hesses „Der Steppenwolf“. Die Dresdner Bühne gastiert außerdem mit Henry Millers „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ in Bruchsal. Als musikalisches Gastspiel wird „Peace of My Heart“ zu sehen sein; ein Abend über die Bluessängerin Janis Joplin, an dem auch BLB-Schauspielerin Elena Weber mitwirken wird.
Die Landesbühne freut sich ganz besonders über die Förderung ihres Projekts „Stadtgeschichten“ durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. „Stadtgeschichten“ ist ein Geschichts- und Theaterprojekt, das über zwei Spielzeiten hinweg der Geschichte der Stadt Bruchsal gewidmet sein wird. Wichtiger Teil des Projekts wird die Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt sein. Sie ist eine Plattform, die allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern offensteht, die sich mit der Geschichte ihrer Stadt auseinandersetzen wollen. Teile des von ihr recherchierten Materials sollen Grundlage für eine Aktionswoche im März 2021 werden: Stadtgeschichte wird dann an historischen Orten zu Theater.
 
Ihre Lesungs-Reihe Café Europa führt die Badische Landesbühne auch in der kommenden Spielzeit fort. Zum Auftakt gibt es in Zusammenarbeit mit dem Brecht-Experten Jan Knopf eine Lesung zur sensationellen Uraufführung von Brechts „Lindberghflug“ vor 90 Jahren. Die folgenden Lesungen werden sich mit Friedrich Schiller, den beiden Literaturnobelpreisträgern, Rio Reiser, Albert Camus, Friedrich Hölderlin, Joß Fritz sowie dem Tag der Befreiung beschäftigen. Weitergeführt werden ebenfalls die Inszenierungsgespräche an den Sonntagen vor den anstehenden Premieren.

Auch die junge BLB hat für die Spielzeit 2019.2020 ein vielseitiges Programm zusammengestellt. „Es ist uns wichtig, aktuelle Themen und Probleme, die Kinder und Jugendliche umtreiben, aufzugreifen und theatral zu verhandeln“, so Joerg Bitterich. Den Auftakt macht dabei Franziska Plüschke, die mit „#Hungerkünstler“ ein Tanztheaterstück zu Essstörungen, Körperbilder und medialer Selbstdarstellung entwickelt. Joerg Bitterich inszeniert „Himmel und Hände“ des renommierten Dramatikers Carsten Brandau. Im Zuge des 50-jährigen Jubiläums der ersten Mondlandung stürmt die junge BLB mit dem Familienstück „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ im November die große Bühne. Die neuste Räuber-Hotzenplotz-Geschichte wurde erst kürzlich im Nachlass Otfried Preußlers entdeckt. Holger Schober schreibt mit „Sonnenstrahl im Kopfsalat“ ein weiteres Stück zur Uraufführung an der Badischen Landesbühne. Er geht darin der Frage nach, wie unsere Gesellschaft und insbesondere Kinder mit an Demenz erkrankten Menschen umgehen. Inszenieren wird das Klassenzimmerstück die Regisseurin Julia-Huda Nahas. Zusammen mit dem Autor Sergej Gößner hat die junge BLB das Projektstipendium des Arbeitskreises Junges Theater Baden-Württemberg gewonnen. Gößner schreibt mit „What on Earth ?!“ ein Jugendstück über Umweltschutz, Zukunftsangst und notwenige Utopien. Als Sommerstück gibt es mit Katharina Schlenders „Rapunzel oder Wen die Liebe trifft“ eine moderne Theateradaption des Grimm-Märchens. Das Stück über Liebe, Angst und Mut wird von Regisseur Louis Villinger auf die Bühne gebracht. Die junge BLB wird zudem erfolgreiche Produktionen der laufenden Saison in der Spielzeit 2019.2020 wiederaufnehmen; darunter etwa „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ und das Live-Hörspiel „Magdeburg hieß früher Madagaskar“.

Die Bürgertheater-Gruppen der Badischen Landesbühne laden auch nächste Spielzeit Interessierte aller Altersstufen ein, gemeinsam Theater zu spielen. Das Bürgertheater bietet Menschen ab 18 Jahren einen kreativen Raum, in dem sie sich gemeinsam ausprobieren können. Das Junge Bürgertheater ist ein Treffpunkt für Jugendliche ab 14 Jahren, die ihre Themen auf der Bühne verhandeln wollen. Allen Kindern und Jugendlichen von 10 bis 13 Jahren bieten die Starter die Möglichkeit, die Bühne zu erobern.

Das gesamte Angebot der Badischen Landesbühne wird wie gewohnt von einem umfangreichen theaterpädagogischen Programm begleitet, das sich an alle Schulen des Spielgebietes und darüber hinaus an alle theaterbegeisterten Menschen richtet.

Quelle: Martina Illinger

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Veröffentlicht am 19. Juli 2019, 16:01
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