„Der Erhalt des Mühlenanwesens ist meine Berufung“

Mühleninhaberin Carina Kolb informierte in Zuzenhausen Dr. Albrecht Schütte MdL und Gerold Werner, Geschäftsführer des Hochwasserschutzzweckverbandes

(zg) „Ein schönes Fleckchen Erde“, treffender als mit diesen Worten hätte Carina Kolb, Wasserrechtsinhaberin und Geschäftsführerin der Mühlenbäckerei sowie Spedition Kolb, das Anwesen nicht beschreiben können. Zunächst zeigte sie dem Landtagsabgeordneten Dr. Albrecht Schütte (CDU) und dem Geschäftsführer des Zweckverbandes „Hochwasserschutz Einzugsgebiet Elsenz/Schwarzbach“ Gerold Werner das Areal am kürzlich sanierten Wehrdamm an der Gabelung von Elsenz und Mühlgraben.
„Die Baumaßnahmen waren dringend notwendig, da durch die fortschreitende Erosion der Damm in seiner Stabilität bedroht war. Es bestand akute Gefahr“, so Kolb. „Durch den Umbau des Schützes am Streichwehr kann das Wasser im Hochwasserfall wieder besser abfließen“, ergänzte Werner. Ein weiterer positiver Nebenfaktor der Sanierung sei die neu gestaltete Landschaft am Wehr, die in Zukunft mehr genutzt werden solle, erklärte Kolb. Schon jetzt werde der Mühlenweg von Bürgerinnen und Bürger für Spaziergänge genutzt, im Sommer könne man an der Stelle sogar baden.

Auf dem Rückweg zur Mühle erläuterte Kolb deren Geschichte und ihre persönliche Verbindung zu diesem Kleinod an der Elsenz. Die Mühle wurde 783 zum ersten Mal im Lorscher Kodex erwähnt und ist seit 1888 im Besitz der Familie Kolb. Die junge Zuzenhäuserin übernahm vor einigen Jahren die im Mühlenanwesen ansässigen Unternehmen wie Spedition und Holzofen-Bäckerei. Sie zog dafür nach ihrem BWL- und Logistik-Studium, das sie in Mannheim absolvierte und anschließender zwei jähriger Berufserfahrung in Hamburg zurück in die Heimat: „Es ist meine Berufung die Familientraditionen des Mühlenanwesen fortzuführen und immer wieder nach neuen Möglichkeiten zu suchen, diesen besonderen Ort mit noch mehr Leben zu füllen.“

Durch den Bau des Gästehauses 2007, in dem Michael Winter das „Erlebnsizentrum Mühle Kolb“ betreibt, konnte ein weiterer Teil des Mühlenanwesens vor allem in den Sommermonaten durch den Besuch von Schulklassen und Firmenevents mit Leben gefüllt werden. Seit 1999 beherbergen die vormals als Schweineställe genutzten Gebäude im Innenhof der Mühle eine Holzofenbäckerei. Gemeinsam mit Renate Gütter, die schon im Jahre 1971 in der Mühle zu arbeiten begann, leiten die beiden Damen das Geschäft.

Täglich werden frische Holzofenbrote und viele weitere Brote und Kuchen gebacken, die auch in Bauernläden und auf Wochenmärkten in der ganzen Region verkauft werden. In der Mühlenstube und im bestuhlten Innenhof hat man zudem die Möglichkeit zu entspannen. Eine Herausforderung für alle kleinen Betriebe, besonders Bäckereien in der Region, so Kolb, seien die immer strengeren Anforderungen der Lebensmittelüberwachung. So müsse man beispielsweise die Inhaltsstoffe für die selbstgebackenen Linzertörtchen angeben, sofern diese verpackt seien: „Das ist für die Großkonzerne gar kein Problem, aber eine kleine Mühlenbäckerei kann kein Labor unterhalten, in dem die Produkte untersucht werden.“
Das sah Schütte genauso: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Läden vor Ort, erhalten werden und ihnen keine Steine in den Weg gelegt werden.“ Wer lokal erzeugte Lebensmittel genießen wolle, dürfe die Auflagen nicht erhöhen, bis sie nur noch von wenigen zentralen Unternehmen erfüllt werden könnten. Von besonderem Interesse für den Physiker Schütte war zum Abschluss der Blick auf die eigentliche Mühle mit Turbine und Generator. Seit nun über 100 Jahren wird hier regenerativ Strom erzeugt.

(Text/Foto: Christine Nahrgang)

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Veröffentlicht am 4. Mai 2018, 14:12
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