Puppentheater erklärt Judentum – Aufführungen im Rahmen der Interkulturellen Woche
Kann man nach dem Holocaust in Deutschland unbefangen mit jüdischer Tradition umgehen? Shlomit Tripp, die Gründerin des jüdischen Puppentheaters „bubales“ bejaht diese Frage uneingeschränkt. Ihr Ziel ist es, Kindern einen unbelasteten Blick auf jüdische Sitten und Traditionen zu ermöglichen.
„Ich will etwas bieten, bei dem Kinder ihren Erstkontakt zum Judentum nicht mit der Shoa haben, sondern eine lebendige Kultur kennen lernen“, fasst Tripp ihren Ansatz zusammen. Das Konzept der „bubales“ wurde so angelegt, dass die Stücke auch ein Publikum ohne Vorkenntnisse über das Judentum ansprechen. Als Tochter jüdischer Immigranten aus Istanbul wendet sie sich mit ihrem Theater vor allem an Kinder, aber auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten.
Das Puppenspiel liegt bei Tripp in der Familie. Die Großmutter war Schattenspielerin, die Mutter baute Stabpuppen. Shlomit Tripp bevorzugt sogenannte Klappmaulpuppen, wie sie auch in der Muppetshow und der Sesamstraße zum Einsatz kommen.
Für Tripp sind Theaterpuppen ein pädagogisches Werkzeug, um Ängste abzubauen und Brücken zu bauen, wo es vorher keine gab. „Die Theaterpuppen sind, wie man sich Menschen wünscht, ungefährlich, lustig und im Idealfall sogar niedlich“, so die Puppenspielerin. Tripp ist es dabei wichtig, nicht nur christlich oder abendländisch sozialisierte Kinder anzusprechen, ganz bewusst spielt die kleine Ayshe, eine Muslima, in ihrem Stück „Die Kosher-Maschine“ eine Schlüsselrolle. Mit Aufführungen vor einem religiös gemischten Publikum macht sie die besten Erfahrungen.
Mit dem abrahamitischen Ansatz passen die „bubales“ aus Berlin perfekt in die Sinsheimer Interkulturelle Woche. Es geht um Brückenbau zwischen den Kulturen mit den Mitteln des Puppentheaters. Nach den Vorstellungen dürfen kleine und große Zuschauende mit den Puppen sprechen und Selfies mit ihnen machen. Den Kindern werden positive Gefühle ermöglicht, die sie nicht so schnell vergessen.
Immer wieder wurde Tripp angesprochen, ob sie nicht auch mal etwas für Erwachsene machen könne. Ja, das konnte sie. „Politisch Koscher!“ ist angelegt wie ein Crash-Kurs zum Thema Diskriminierung mit viel Augenzwinkern. Diskriminierung kennen alle Menschen. Jeder hat schon diskriminiert und wurde diskriminiert. Keiner ist davor gefeit. Deshalb ist man aber nicht zwingend ein Rassist. Aber wo ist die Trennlinie? Die Show kommt nicht mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern greift das Thema mit schrulligen Puppen auf und bringt das Publikum zum Lachen. Tripp hofft, dass so die Bereitschaft wächst, sich schwierigen Themen zu stellen und sie zu hinterfragen.
Im Rahmen der Interkulturellen Woche gibt es in Sinsheim dieses Jahr gleich zwei Stücke aus ihrem Repertoire.
Zu sehen sind die „bubales“ am Sonntag, 27. September 2026.
Um 15:00 Uhr zeigt Shlomit Tripp im Jugendhaus das Kinderstück „Die Kosher-Maschine“ und um 19:00 Uhr folgt das kabarettistische Stück „Politisch Koscher!“ für Erwachsene, beides im Jugendhaus in der Lilienthalstraße 7.
Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf bei der Tourist-Info im Alten Rathaus oder – soweit noch verfügbar – an der Tageskasse.
Quelle: Stadt Sinsheim






