Als eine Rakete auf Rädern den Rekord brach

Technik Museum Sinsheim widmet The Blue Flame einen neuen Ausstellungsbereich

(zg) Sie ist elf Meter lang, stahlblau und erinnert an eine Rakete – nur die drei Räder deuten an, dass es ein Auto sein könnte. Am 23. Oktober 1970 fuhr der Amerikaner Gary Gabelich mit diesem Raketenvehikel schneller als 1000 km/h und stellte damit einen neuen Temporekord für Landfahrzeuge auf. Dieses Geschoss, bekannt als „The Blue Flame“, steht seit über 30 Jahren im Technik Museum Sinsheim. Im Zuge der Neugestaltung der Sammlung bekommt das Rekordauto zum 50. Jubiläum seiner Rekordfahrt einen neuen Ausstellungsbereich.

Eigentlich war die ganze Aktion ein PR-Coup der Erdgas-Industrie sein: Die Amerikaner sollten sehen, dass es mehr gibt als nur Erdöl. So beauftragte die American Gas Association die Spezialfirma Reaction Dynamics mit dem Bau eines Fahrzeugs, welches mit Gas statt mit Kerosin beschleunigt wurde. Mitte Oktober 1970 und nach drei Jahren Tüftelei war es dann startklar. Am Bonneville-Salzsee in Utah stand ein 58.000 PS-starkes, drei Tonnen schweres und raketenförmiges Etwas bereit, angetrieben von einer höchst explosiven Mischung aus Wasserstoffperoxid und flüssigem Erdgas. Die Kreuzung aus Auto- und Rakete hatte nur einen Zweck: den Landgeschwindigkeitsrekord von 966 km/h zu knacken. So zwängte sich der Pilot Gabelich in sein winziges Cockpit und durchbrach nach nur 22 Sekunden die Bestmarke mit 1001.474 km/h. Um die offiziellen Regularien zu erfüllen, die Durchschnittsgeschwindigkeit eine Meile hin und zurück in einer Stunde, ließ sich Gabelich am 23. Oktober nochmals katapultieren. Die Messanzeige zeigte sagenhafte 1001,667 km/h. Und der Name „The Blue Flame“ war Programm: Die Rückstoßflamme leuchtete blau. 13 Jahre lang sollte es das schnellste Auto bleiben. Danach wurde dieser Rekord um 15 Stundenkilometer überboten. Im Oktober 1997 fuhr dann der britische Militärpilot Andy Green sogar schneller als der Schall: 1227,985 km/h mit dem Thrust SSC, ein mit zwei Düsentriebwerken angetriebenes Monster.

Heute ruht The Blue Flame im Technik Museum Sinsheim und versetzt die Besucher jedes Mal in Staunen – umringt von klassischen Oldtimern, Formel-1 Legenden und Hubschraubern sticht das stahlblaue und aluminiumverkleidete Highlight heraus. Seit 2018 ist das Museum mit dem Umbau seiner riesigen Hallen beschäftigt. Rechtzeitig zum Jubiläum der Blue Flame ist auch dieser Ausstellungsbereich fertig. Vor dem ikonischen Bild von Gary Gabelich aufgebaut, erzählt die aufwendige Bild- und Filminstallation die spannende und doch kurzweilige Geschichte des schnellsten raketenbetriebenen Landfahrzeugs aller Zeiten. Die Original Jacke des Rekordpiloten sowie originales Salz vom Bonneville-Salzsee ergänzen den neuen Ausstellungsbereich. Um diesen zu vervollständigen, wird ab 23. Oktober ein Interview mit einem der Ingenieure der Blue Flame, Dick Keller, ausgestrahlt. Eigentlich plante das Museum eine angemessene Feierlichkeit, um sein Exponat zu würdigen. Aus gegebenem Anlass wurde Herr Keller via Skype interviewt. Danach soll der Mitschnitt täglich ausgestrahlt werden.

Quelle: Simone Lingner

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Veröffentlicht am 22. Oktober 2020, 14:15
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