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Bildungspolitik mit vielen Baustellen

8. Januar 2013 | Das Neueste, Politik

Überrascht vom Rücktritt von Kultusministerin Warminski-Leithäuser zeigte sich der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT), Joachim Möhrle. Auch wenn die Umsetzung der vom Handwerk seit vielen Jahren geforderten Gemeinschaftsschule in den vergangenen Monaten holprig angelaufen sei, so habe die Ministerin doch einiges in Bewegung gesetzt. Wahr sei allerdings auch: „Die Bildungspolitik im Land bleibt unter ihren Möglichkeiten.“ Es gebe zu viele Baustellen, vielfach fehle der rote Faden.

Warminski-Leithäuser habe mit der Bildungsreform eine Mammutaufgabe angepackt, betonte Möhrle. Dafür verdiene sie Respekt und nicht den rüden Umgangston, der sich zum Schluss unter einigen ihrer Kritiker breit gemacht habe. Die Ministerin habe einen guten Draht zum Handwerk gepflegt und es seien auch einige Versprechen eingelöst worden, bescheinigte er der scheidenden Ministerin. Detaillierte Konzepte, wie sie auch vom Handwerkstag immer wieder eingefordert wurden, sei sie jedoch schuldig geblieben. Dazu gehöre unter anderem die Stärkung der beruflichen Orientierung in allen Schularten, das Zurückfahren beruflicher Vollzeitschulen oder auch ein verlässlicher Berufsschulunterricht. Die duale Ausbildung sei insgesamt ins Hintertreffen geraten: „Dies muss sich schleunigst ändern.“ Sorgen bereite ihm die Entwicklung der neuen Gemeinschaftsschule, von der sich das Handwerk mehr qualifizierte Bewerber erhofft. Es sei Aufgabe des Kultusministeriums, die breite Vielfalt der Schülerschaft zu sichern, die diese Schulart brauche, um die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen zu können.

Mitten im Rennen die Pferde zu wechseln berge ein hohes Risiko, meinte Möhrle. Mit der gerade erst gestarteten Bildungsplanreform habe ein Nachfolger aber die große Chance, rasch eigene Akzente zu setzen. Dem vom Handwerkstag geforderten neuen Schulfach Berufsorientierung habe die bisherige Kultusministerin eher kritisch gegenübergestanden: „Dies sollte der Nachfolger überdenken.“

Der Handwerkstag bekräftigte sein Angebot, im Sinne einer dualen Berufsvorbereitung an neuen Konzepten mitzuwirken. Auf einen Nachfolger warteten große Baustellen und Aufgaben, die nicht von heute auf morgen abgearbeitet werden könnten. Möhrle forderte deshalb den Nachfolger im Amt auf, die Ärmel hochzukrempeln und die Aufgaben mit Mut und Überzeugungskraft anzupacken: „Eine Krise kann ja auch ein produktiver Zustand sein.“

Quelle: Baden-Württembergischer Handwerkstag

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