Eins vor, zwei zurück?

(zg) Normalerweise wäre das verdiente Unentschieden von 1899 Hoffenheim gegen Mainz 05 ein Anlass zu maßvoller Zufriedenheit. Im Kampf gegen den Abstieg zählt schließlich jeder Punkt. Da jedoch Augsburg in Hamburg gewonnen hat, scheinen aus dem Punktgewinn gegen Mainz unversehens zwei Minus-Punkte zu werden.

Aber das ist nur die Spieltagsbilanz; was allein zählt, ist die Endabrechnung am letzten Saisontag. Und da kann der gewonnene Punkt gegen die Mainzer doch noch als echter Gewinn zu verbuchen sein. Vielleicht nicht wegen des Spiels selbst, das sicher zu den schwächeren Liga-Events gezählt werden muss, auf beiden Seiten. Sondern weil der Kampf um Platz 16 erfahrungsgemäß meist erst auf den allerletzten Metern entschieden wird.

Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg. Hoffenheim hat aus den letzten beiden Spielen 4 Punkte mitgenommen und muss von jetzt an durchweg ähnlich erfolgreich weiter punkten, um am Ende die Nase vorn haben zu können. Man spürt jedoch immer mehr, dass die Mannschaft dazu auch bereit ist, unabhängig von tabellarischen oder anderen Momentaufnahmen. Eine höchst unglückliche Saison beginnt also im Bewusstsein der Mannschaft offenbar Gegenkräfte zu wecken. Anders gesagt scheint die Mannschaft zu begreifen, dass allein sie in der Lage ist, dem sich andeutenden finalen Unglück Einhalt zu bieten.

Trends umzudrehen, ist jedoch unendlich schwer. Der Sog glücklicher wie unglücklicher Serien ist einfach immens. Man konnte das am Wochenende wieder mal an den Bayern studieren, die nur wegen eines Leverkusener Eigentors kurz vor Spielende als Sieger vom Platz gingen. Oder an Augsburg, das es verstand, voller Selbstbewusstsein einem etwas überheblichen HSV drei Punkte zu entführen.

Hoffenheim erkämpft sich ein ähnliches Selbstbewusstsein gerade erst. Noch ist es zu früh, daraus die Trendwende oder eine glückliche Serie ableiten zu wollen. Aber es gibt Hinweise darauf, denn saisonübergreifend hätte nach dem Gesetz der Serie in den letzten Minuten der Mainzer Siegtreffer fallen müssen. Dass er es nicht tat, deutet einschließlich des Siegs in Fürth darauf hin, dass die Mannschaft es Schritt für Schritt schafft, sich dem negativen Sog der Gesamtsaison zu entziehen und endlich ihren eigenen Akzent in Sachen Glück zu setzen.

Daran hat die Umgebung im Verein und seitens der Fans keinen geringen Anteil. Die gegen Mainz gestartete Aktion „Gemeinsam Flagge zeigen“ beweist den emotionalen Zusammenhalt, der sich mit einem Mal deutlich zu artikulieren beginnt. Lang, sehr lang schien der Hoffenheimer Erfolgsweg ein regelrechter Selbstläufer zu sein, den die Region jetzt aber zu ihrem Symbol und Aushängeschild erklärt und in den Kommunen und in jedem einzelnen Fan zur Herzensangelegenheit macht. Und nur in solch starker Gemeinschaft kann der Klassenerhalt zuletzt auch gelingen. Wie ungemein schwer es dennoch ist, an verloren gegangene Fähigkeiten wieder anzuknüpfen, wie zäh der Prozess der Trendumkehr also ist, werden die kommenden Wochen und Monate noch zeigen. Aber der Anfang ist gesetzt, wenn eine ganze Region ihren Glauben, ihre Liebe und ihre Hoffnung investiert.

Zwei Spiele ohne Gegentore sind zuletzt zu verzeichnen. Dieser neue Trend erscheint bereits belastbar. Wenn jetzt noch das Spiel nach vorn wieder an frühere kreative Tugenden anknüpft, sind auch Gegner, die wie Mainz variable Spielideen praktizieren, in den Griff zu bekommen. Schneller als gedacht, könnten dann die vier Punkte Vorsprung von Augsburg dahinschmelzen. Die anstehende Länderspielpause bietet jedenfalls erst mal Zeit und Gelegenheit, Kopf und Herz genau dafür wieder frei zu bekommen.

Quelle: TSG 1899 Hoffenheim – Alexander Hans Gusovius

Veröffentlicht am 19. März 2013, 14:00
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