Es geht auch ohne Skalpell

Moderne Orthopädie ohne Operationen?

(zg) Das Thema „zu viele Operationen“ geistert nicht umsonst durch die Presse. Viele Verletzungen und degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule, Muskeln und Gelenke könnten zunächst häufig sehr erfolgreich ohne Operation behandelt werden. Das Ziel ist: „Zurück in ein aktives Leben“.

Das Arzt-Patienten-Forum des orthopädischen Praxiszentrums Rhein Neckar in der Stadthalle Sinsheim wurde von den Referenten Dr. Jan Lemke, Dr. Christof Reitzner, Dr. Martin Stock (Orthopädisches Praxiszentrum) und Dr. Ralph Wetzel (Klinikum Mittelbaden) gestaltet und von VHS-Leiter Siegbert Guschl moderiert. Es ist bereits die vierte Veranstaltung dieser Art in der bewährten Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Sinsheim und der Kassenärztlicher Vereinigung Baden Württemberg.

Mehr als 230 Besucherinnen und Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, sich aus erster Hand über die Möglichkeiten zu informieren, wie man eine Operation vermeiden oder hinausschieben kann. Dr. Stock machte deutlich, dass zu viele Patienten operiert werden, bevor die nichtoperativen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Es gibt aber auch Grenzen der sogenannten „konservativen“ Therapie und man kann auch zu spät operieren, so Dr. Wetzel. Andererseits könnten viele Operationen vermieden werden, wenn beispielsweise der Vorbeugung von Brüchen der Wirbelsäule oder des Oberschenkelhalses durch eine bessere Prävention der Osteoporose (Knochenschwund) mehr Bedeutung zukäme, merkte Dr. Lemke an.

Entscheidend, ob eine Operation notwendig wird, ist nicht das Röntgenbild oder eine Kernspintomographie, sondern ob auch Befinden und der körperliche orthopädische Untersuchungsbefund übereinstimmen. Wichtig ist auch die Einschränkung der Lebensqualität und ob bestimmte Warnzeichen für eine dringliche Operation vorliegen. Da sind sich die „nichtoperativen“ und die „operativen“ Kollegen einig.

Anhand typischer Erkrankungen, wie z. B. Arthrose, Osteoporose, Kalkschulter, Haltungsfehler, Bandscheibenvorfall, Verschleiß der Wirbelsäule oder Sportverletzungen, zeigten die Orthopäden Lemke, Reitzner und Stock, welche nichtoperativen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und wo es sinnvoller ist, zu operieren. Dr. Wetzel, der pro Jahr mehr als 200 Gelenkersatzeingriffe und komplizierte Zweiteingriffe durchführt, zeigte anschaulich, wann eine Operation notwendig wird und welche Möglichkeiten der Versorgung mit sogenannten „Kunstgelenken“ bestehen. Dr. Reitzner zeigte in seinem Vortrag, dass zahlreiche Therapieoptionen bestehen, bevor man sich für eine Gelenkersatzoperation entscheidet.

Die Entscheidung für die richtige Therapie gelingt am besten durch eine gute Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Fachärzten, die sich in der Versorgung ihrer Patienten ergänzen: der niedergelassenen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, der als Spezialist für die Erkrankungen und Verletzungen von Knochen, Muskeln und Gelenken und den damit verbundenen körperlichen und seelischen Belastungen eine entscheidende Rolle spielt, dem Hausarzt, der meist den Patienten in seinem häuslichen Umfeld am besten kennt und dem Operateur in Klinik oder im ambulanten Schwerpunktzentrum. In den orthopädischen Praxiszentren in Sinsheim – Walldorf und Hockenheim wird dieser ganzheitliche „Netzwerkgedanke“ schon von Anfang an gepflegt.

Im Anschluss an die sehr informativen Vorträge hatten die Besucher noch Gelegenheit, persönliche Fragen an die Referenten zu stellen. Informationsveranstaltungen wie an diesem Abend tragen dazu bei, dass sich der (zukünftige) Patient und sein Arzt besser verstehen können, und das ist gut so.

Quelle: Siegbert Guschl

Veröffentlicht am 4. November 2013, 13:00
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