Bleiben Sie informiert  /  Dienstag, 03. Februar 2026

Informationen von Hier

Termine, Adressen, Vereine,
Lokalpolitik, Berichte und
Wirtschaftsinformationen

Direkt zur Redaktion

[email protected]

Fukushima heute – Ein Reisebericht

16. Mai 2014 | Bündnis90/Die Grünen, Das Neueste, Photo Gallery

(zg) Sylvia Kotting-Uhl (MdB), atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, las auf Einladung des Grünen Ortsverbandes Sinsheim aus dem Tagebuch ihrer letzten Reise nach Fukushima. Im gut besuchten Saal des „Grünen Baum“ zeichnete sie für das interessierte Publikum drei Jahre nach dem GAU die Stimmung in Japan nach.

Die mit Fotos unterlegten Eindrücke der Politikerin hinterließen bei den Zuhörern in Sinsheim große Betroffenheit.

Sylvia Kotting-Uhl spricht vom „atomaren Dorf“, das keinen Ort meint, sondern den Machtkomplex, der geprägt ist von der Verfilzung von Politik, Energieunternehmen und Medien. Einer, der sich mit diesem Komplex angelegt hat, ist Japans Ex-Premier Naoto Kan, heute einer der engagiertesten Atomkraftgegner Japans. Wie viele seiner Landsleute interessiert er sich seit dem GAU von 2011 dafür, wie der Atomausstieg in Deutschland vorbereitet und Schritt für Schritt vollzogen wird. Deutschland als Energiewende- und Atomausstiegs-Musterland.

Kan ist einer von vielen Gesprächspartnern, die Kotting-Uhl auf ihrer Japan-Reise im vergangenen Dezember getroffen hat. An zehn Tagen führte sie Gespräche mit Wissenschaftlern, Nichtregierungs-Organisationen, Mitgliedern einer Stiftung für erneuerbare Energien, Politikern oder Parteien und besuchte den Atomreaktor Fukushima Daiichi.

Mit Wissenschaftlern der Universität Honsei besuchte Sylvia Kotting-Uhl unter anderem Tomioka, eine evakuierte Stadt nahe Fukushima. Kontaminiertes Erdreich lagert dort in großen Säcken: „Wohin diese am Ende sollen, weiß niemand“, so Kotting-Uhl. Spielzeug  und Gartenmöbel zeugen von fluchtartigem Verlassen, verwildert sind die einst akkurat gepflegten Vorgärten. Dort nimmt sie „das Schleichende, das Unfassbare der atomaren Strahlung“ besonders wahr, erschreckender noch als die sichtbaren Zerstörungen des Tsunami, die sie in Japan schon sechs Wochen nach der Katastrophe sah.

Im Gespräch mit Sozialwissenschaftlern darüber, wie man von Deutschlands Erfahrungen mit dem Atomausstieg lernen könne, versteht sie einmal mehr, dass Japan noch am Anfang eines langen Weges steht. Der Vergleich mit der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung vor 30 Jahren drängt sich ihr auf. Allerdings stelle der Schritt, die Dinge beim Namen zu nennen, in Japan eine ungleich höhere Hürde dar: Disziplin und Höflichkeit verbieten es Japanern, Kritik zu üben oder gar zu protestieren. Die vielen Organisationen von Ausstiegs-Befürwortern und Vorkämpfern für eine Wende hin zu erneuerbaren Energien erlebt Kotting-Uhl als sehr engagiert. Leider fehle die Vernetzung und entsprechend gering sei meist die öffentliche Wahrnehmung, die ihrer Meinung nach nötig ist, um etwas zu bewirken. Sogar die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchungskommission, die die Regierung Abe zur Aufarbeitung des Atomunfalls einsetzte, würden offiziell nicht beachtet.

Sehr bedauerlich findet die Politikerin, dass Deutschland die positiven Erfahrungen mit dem Ausstieg nicht offensiv in die Welt trägt. Anstatt stolz auf die großen Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu verweisen hält man sich fast schamhaft zurück.

Kotting-Uhls Fazit: „Wenn es ein Land gibt, das gute Voraussetzungen für erneuerbare Energien hat, dann ist es Japan.“ Nicht nur passende geografische und klimatische Bedingungen sprechen dafür, sondern auch hervorragende Wissenschaftler und Universitäten. Wie lange es braucht, bis die „tiefe narzisstische Kränkung“ heilen kann, die das technologieaffine Land durch die Traumatisierung des 11. März 2011 erfahren hat, könne dabei niemand ermessen.

Quelle: Anja Wirtherle

Das könnte Sie auch interessieren…

WM 2026 Kostenfalle ?

Wird die FIFA Fußball WM 2026 zur Kostenfalle für Fußballfans? Die FIFA Fußball Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird eines der absoluten Highlights des Kalenderjahres und das nicht nur aus sportlicher Sicht, denn ein Event eines solchen Ausmaßes...

BMW rollt Hang hinab und verursacht hohen Sachschaden

Zu einem Verkehrsunfall mit erheblichem Sachschaden kam es am Mittwochmittag in der Neuwiesenstraße. Ein 37-jähriger Mann hatte gegen 13:25 Uhr seinen BMW am rechten Fahrbahnrand abgestellt und war gerade ausgestiegen, als sich das Fahrzeug plötzlich selbstständig...

Auffahrunfall auf der A6 bei Sinsheim verursacht hohen Sachschaden

Bei einem Auffahrunfall auf der Autobahn 6 bei Sinsheim ist am Dienstagmorgen ein erheblicher Sachschaden entstanden. Ein 64-jähriger Mann war gegen 9.30 Uhr mit seinem Toyota auf der mittleren Fahrspur in Richtung Heilbronn unterwegs, als sich zwischen den...

 Sinsheim – Veranstaltungen / Gewerbe

Werbung

Hier könnte Ihr Link stehen

Themen

Zeitreise

Archiv

Hier könnte Ihr Link stehen