Fundierte Entscheidungsgrundlage für die kommunale Klimapolitik

Vertreter der Kreiskommunen informieren sich bei der Geschäftsstelle Klimaschutz in Sinsheim über die Chancen des European Energy Award:

„Fundierte Entscheidungsgrundlage für die kommunale Klimapolitik“ 

(zg) Klimaschutz wird immer wichtiger – das zeigt sich nicht nur auf den jährlichen UN-Klimakonferenzen, sondern auch vor Ort durch häufiger auftretende Wetterkapriolen. Im Rhein-Neckar-Kreis hat der Kreistag bereits 2013 ein Klimaschutzkonzept mit dutzenden Maßnahmen zur Energie- und CO2-Einsparung verabschiedet. In diesem Jahr wurde der Landkreis mit dem European Energy Award (eea) ausgezeichnet. Dieser ist ein europäisches Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, das der Energieeinsparung und der Steigerung des Einsatzes regenerativer Energien in Kommunen dient. Über die Chancen, die der eea bietet, informierten sich Vertreter von Kommunen, darunter einige Bürgermeister. Das Treffen war von der Geschäftsstelle Klimaschutz des Eigenbetriebs Bau und Vermögen Rhein-Neckar-Kreis (EBV) und der KliBA (Klimaschutz- und Energie-Beratungsagentur Heidelberg-Rhein-Neckar-Kreis) organisiert worden. Deren Geschäftsführer Dr. Klaus Keßler moderierte die Veranstaltung in den Räumlichkeiten des EBV in Sinsheim.

„Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich der Entwicklung eines Klimaschutzkonzeptes für den Rhein-Neckar-Kreis höchste Priorität eingeräumt. Die eea-Zertifizierung war daher ein logischer Schritt und bietet viele Vorteile, die wir Ihnen heute vorstellen möchten“, sagte Landrat Stefan Dallinger in seiner Begrüßung. Anschließend präsentierte Heike Wiest von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg den Bürgermeisterinnen, Bürgermeistern und Klimaschutzbeauftragten der Kommunen den Nutzen, die Struktur, die Instrumente und Fördermöglichkeiten des eea. Durch dieses Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren können die Klimaschutzaktivitäten einer Kommune oder eines Landkreises erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden, um Potenziale des nachhaltigen Klimaschutzes identifizieren und nutzen zu können. „Der European Energy Award bietet eine starke und fundierte Entscheidungsgrundlage für die kommunale Klimapolitik“, erklärte Heike Wiest.

„Die Vorteile für die Kommune sind vielfältig: Es entstehen umfassende Synergieeffekte durch ressortübergreifende Zusammenarbeit, Transparenz für Politik und Verwaltung. Mit dem eea wird die Auswahl, Priorisierung und Umsetzung konkreter Maßnahmen deutlich erleichtert. Hierbei werden die Kommunen durch akkreditierte Berater zum Beispiel von der KliBA begleitet.“

Praxisbeispiel aus der Stadt Walldorf

Wie der eea in der Praxis funktioniert, erläuterten die Walldorfer Bürgermeisterin Christiane Staab und Christian Horny (Bereich Umwelt der Stadt Walldorf). Ihrer Meinung nach sei der eea ein effizientes Werkzeug zur erfolgreichen Umsetzung von geplanten Maßnahmen und Zielen im Klimaschutz. Mit Hilfe des eea würden Aktivitäten im Klimaschutz sortiert, strategisch aufbereitet, organisiert und Prioritäten gesetzt. Dabei orientiere sich der eea am Managementzyklus „Analysieren – Planen – Durchführen – Prüfen – Anpassen“ und werde durch die Schritte der Zertifizierung und Auszeichnung ergänzt. Staab und Horny empfahlen für den eea-Prozess innerhalb der Verwaltung „eine Person, bei der alle Fäden zusammenlaufen“. Natürlich sei eine zusätzliche Personalstelle nicht so einfach durchzusetzen, weiß Staab aus eigener Erfahrung. Die Walldorfer Bürgermeisterin betonte: „In Gremien wie dem Gemeinderat muss das Bewusstsein dafür da sein, wie wichtig der Klimaschutz ist – und übrigens kann man am Ende durch die Energieeinsparungen auch viel Geld sparen.“

Über die Erfahrungen des Rhein-Neckar-Kreises begann der Leiter des Eigenbetriebs Bau und Vermögen, Jürgen Obländer, seinen Vortrag mit den Worten: „Der Kreis möchte die Gold-Auszeichnung nicht alleine erreichen, sondern mit den Kommunen gemeinsam.“ Für ihn sei der eea ein wertvolles und erfolgreiches Instrument. „Im Landkreis haben wir ein sogenanntes ‚Energie-Team‘ gegründet, in dem ressortübergreifend die Kolleginnen und Kollegen im Landratsamt sowie in den Eigengesellschaften zusammenarbeiten, um so konsequent unsere Ziele im Klimaschutz in den eigenen Liegenschaften zu erreichen.“ Obländer erläuterte das Klimaschutzkonzept des Rhein-Neckar-Kreises, welches im Drei-Säulen-Modell gehandhabt wird. Eine Säule ist die Kooperation mit Kommunen, auf welche sich seine erste Aussage bezog. Die beiden anderen Säulen bestehen aus der Energieagentur, welche die Beratung für Kommunen, Betriebe und Bürger stellt und dem Kreis samt Eigengesellschaften, welche für die Abfallwirtschaft sowie die Standards für Organisation, Beschaffung, Nutzerverhalten und Mobilität zuständig sind.

Die Kooperationsvereinbarung Klimaschutz haben übrigens bislang 53 von 54 Kommunen unterzeichnet. 33 kreisangehörige Kommunen haben bereits ein Klimaschutzkonzept erstellt, bei 7 weiteren ist eines in Arbeit. Die übrigen 13 Kommunen sind dazu angehalten, dies bis spätestens 2020 ebenfalls zu tun.

Hintergründe zum European Energy Award:

Der European Energy Award (eea) ist ein Programm für umsetzungsorientierte Energie- und Klimaschutzpolitik in Städten, Gemeinden und Landkreisen. Er ist prozessorientiert angelegt und dient der Energieeinsparung, der effizienten Nutzung von Energie und der Steigerung des Einsatzes regenerativer Energien. Auf der Grundlage einer systematischen Ist-Analyse bewertet die Kommune den Stand ihrer energie- und klimapolitischen Arbeiten und ermittelt eigene Stärken und Schwächen. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden relevante Maßnahmen identifiziert, geplant und umgesetzt.

Alle drei Jahre wird die Arbeit der Energieteams einer externen Auditierung unterzogen, um die erreichten Fortschritte zu quantifizieren. Erreicht die Kommune 50 Prozent der möglichen Punkte, wird der European Energy Award verliehen, bei 75 Prozent der European Energy Award Gold. Durch die systematische Erfassung der bisherigen Arbeit sowie durch die Planung und Umsetzung neuer Projekte wird die Energieeffizienz in den Kommunen kontinuierlich gesteigert.

Derzeit nehmen 100 Städte und Gemeinden sowie 19 Landkreise in Baden-Württemberg am eea teil. Damit sind etwa ein Drittel der eea-Kommunen in Deutschland in Baden-Württemberg. 74 Städte und Gemeinden im Land sind bereits zertifiziert, 9 davon erreichten den „Gold“-Status; bei den Landkreisen sind 16 zertifiziert, 4 davon mit dem eea Gold. 46 Städte und Gemeinden sowie 16 Landkreise, die am eea teilnehmen, verfügen zugleich über ein integriertes Klimaschutzkonzept. Der Rhein-Neckar-Kreis selbst wurde im Dezember 2017 erstmals zertifiziert und erhielt im Februar 2018 die Auszeichnung zum „Partner mit Auszeichnung Silber“.

Quelle: Silke Hartmann

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Veröffentlicht am 29. Dezember 2018, 07:05
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