Bleiben Sie informiert  /  Dienstag, 13. Oktober 2026

Informationen von Hier

Termine, Adressen, Vereine,
Lokalpolitik, Berichte und
Wirtschaftsinformationen

Direkt zur Redaktion

sinsheim@ekxakt.de

Aktuelle Nachrichten und News aus Sinsheim und Umgebung

Großer Andrang beim onkologischen Patiententag

13. Oktober 2026 | > Sinsheim, Gesundheit, Leitartikel

Patiententag

Onkologischer Patiententag in Sinsheim: Individuelle Wege in der modernen Krebsmedizin

Wie vielfältig die moderne Krebsmedizin ist und welche Unterstützung Betroffenen zur Verfügung steht, zeigte der onkologische Patiententag der GRN-Klinik Sinsheim am vergangenen Samstag. Bis zu 150 Interessierte und Betroffene kamen in der Dr.-Sieber-Halle zusammen, um sich über aktuelle Krebstherapien, Vorsorge und begleitende Hilfsangebote zu informieren. Fachvorträge und Informationsstände boten Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen und Experten.

Passend zum internationalen Aktionsmonat Pinktober, der auf Brustkrebs aufmerksam macht, stand auch das Thema Solidarität im Mittelpunkt. Das Team des Brustzentrums der GRN-Klinik Sinsheim gestaltete mit viel Kreativität und Eigeninitiative einen besonderen Rahmen. Selbstgebackene Muffins und liebevoll vorbereitete Aktionen verliehen der Veranstaltung eine persönliche Note. Auch die Selbsthilfegruppe beteiligte sich: Zahlreiche ehemalige Patientinnen kamen in Pink gekleidet zusammen und formten gemeinsam eine menschliche Brustkrebsschleife – als Zeichen für Zusammenhalt und einen offenen Umgang mit der Erkrankung.

Der Patiententag machte deutlich, dass moderne Krebsmedizin weit über die Behandlung eines Tumors hinausgeht. Neben medizinischen Fortschritten spielen Lebensqualität, psychische Unterstützung und Zuversicht eine wichtige Rolle.

Von Früherkennung bis zur personalisierten Therapie

Den Auftakt der Vortragsreihe gestaltete Dr. Jan Voegele, Chefarzt der Urologie an der GRN-Klinik Eberbach. Er informierte über Prostatakrebs, die häufigste Krebserkrankung bei Männern mit rund 77.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Familiäre Vorbelastungen, Risikofaktoren und Früherkennung seien wichtige Aspekte. Zur Diagnostik gehört unter anderem die Bestimmung des PSA-Wertes im Blut. Ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch, dass Krebs vorliegt. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Heilungschancen.

Nadine A. Michel erläuterte die personalisierte Behandlung gynäkologischer Tumoren. In Deutschland erkranken jährlich rund 75.000 Frauen an Brustkrebs und etwa 11.000 an Gebärmutterkörperkrebs. Welche Therapie infrage kommt, hängt unter anderem von der Tumorbiologie, genetischen Faktoren und den persönlichen Voraussetzungen ab. Statt eines einheitlichen Behandlungsschemas steht eine auf die einzelne Patientin abgestimmte Therapie im Vordergrund.

Dr. Maren Hogg, Oberärztin der Geriatrie Sinsheim, ging auf die Behandlung älterer Menschen mit Krebs ein. Nicht das Lebensalter allein sollte über eine Therapie entscheiden. Vielmehr müssten auch Begleiterkrankungen, Selbstständigkeit, Belastbarkeit und die persönliche Lebenssituation berücksichtigt werden. Eine geriatrische Einschätzung könne helfen, Chancen und Risiken abzuwägen.

Vorsorge und chirurgische Entscheidungen

Die Bedeutung der Darmkrebsvorsorge hob Dr. Erik-Sebastian Fuchs, Chefarzt der Gastroenterologie und Diabetologie der GRN-Klinik Sinsheim, hervor. Bei einer Darmspiegelung lassen sich Vorstufen wie Polypen erkennen und häufig direkt entfernen. Vorsorge könne damit dazu beitragen, Darmkrebs zu verhindern. Aus Angst oder Scham sollte sie deshalb nicht aufgeschoben werden.

Dr. Matthias Hassenpflug, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie sowie Ärztlicher Direktor der GRN-Klinik Sinsheim, beleuchtete die Möglichkeiten und Grenzen der Darmkrebschirurgie. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Tumorstadium, möglichen Metastasen und dem Gesundheitszustand ab. Entscheidend sei, den Nutzen für den einzelnen Menschen abzuwägen und auch zu erkennen, wann ein Eingriff nicht der richtige Weg ist.

Wie stark sich die Behandlung von Lungenkrebs weiterentwickelt hat, zeigte Dr. Julia Kunz vom GRN MVZ Sinsheim. Neben der Chemotherapie eröffnen zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien neue Möglichkeiten. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von den biologischen Eigenschaften des Tumors ab. Eine präzise Diagnostik und die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen bilden die Grundlage für individuelle Therapieentscheidungen.

Psychische Belastungen und Lebensqualität im Blick

Kathleen Boessmann, Psychoonkologin der GRN-Klinik Sinsheim, verdeutlichte, wie stark eine Krebsdiagnose auch die seelische Gesundheit beeinflussen kann. Angst, Unsicherheit und Überforderung betreffen häufig nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Angehörigen. Psychoonkologische Unterstützung kann dabei helfen, Belastungen zu bewältigen und individuelle Strategien für den Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln.

Besonders bewegend war der Erfahrungsbericht von Astrid Heinl. Die selbst von Brust- und Darmkrebs betroffene Persönlichkeitstrainerin erzählte offen von ihren Erlebnissen und machte Mut, den eigenen Weg zu finden, Hilfe anzunehmen und trotz schwieriger Zeiten Hoffnung und Humor zu bewahren.

Dr. Mario Schubert, Chefarzt der MEDICLIN Kraichgau-Klinik Bad Rappenau, widmete sich der tumorassoziierten Fatigue. Diese ausgeprägte körperliche und geistige Erschöpfung kann durch die Krebserkrankung selbst oder deren Behandlung entstehen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Wichtig sei, die Beschwerden ernst zu nehmen und Betroffene gezielt zu unterstützen.

Den Abschluss bildete der Vortrag von Dr. Damaris Köhler, leitende Ärztin des PalliativeCareTeams Kraichgau. Sie erläuterte die Bedeutung einer frühzeitigen palliativen Mitbetreuung. Palliativversorgung bedeutet nicht, eine Behandlung aufzugeben. Sie kann vielmehr dazu beitragen, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten und Erkrankte sowie ihre Angehörigen zu begleiten.

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Der Patiententag in Sinsheim zeigte, wie medizinische Kompetenz, moderne Onkologie und persönliche Zuwendung ineinandergreifen. Die zentrale Botschaft: Jede Krebserkrankung verläuft anders, und jeder Mensch braucht eine Behandlung, die zur Erkrankung, zur Lebenssituation und zu den individuellen Bedürfnissen passt.

Früherkennung, personalisierte Therapien, altersgerechte Behandlung, psychoonkologische Unterstützung, Rehabilitation und Palliativmedizin können dazu beitragen, Heilungschancen und Lebensqualität zu verbessern.

Foto: GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar gGmbH 

 Sinsheim – Veranstaltungen / Gewerbe

Werbung

Hier könnte Ihr Link stehen

Themen

Zeitreise

Archiv

Hier könnte Ihr Link stehen

Sinsheim Veranstaltungen

Das könnte Sie auch interessieren…

Fahrt nach Longué-Jumelles 2027

50 Jahre Städtepartnerschaft: Sinsheim plant Fahrt nach Longué-Jumelles Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit dem französischen Longué-Jumelles organisiert das Longué-Komitee gemeinsam mit der Stadtverwaltung Sinsheim eine Reise in die...

E-Scooter Fahrer flüchtet vor Polizeikontrolle – Zeugenaufruf

Mit bis zu 80 km/h auf dem E-Scooter vor Polizei geflüchtet Mit hoher Geschwindigkeit und riskanten Fahrmanövern hat sich ein bislang unbekannter E-Scooter-Fahrer am Samstagvormittag einer Polizeikontrolle in Sinsheim entzogen. Der Mann war mit Sturmhaube und einem...

Mögliches Eigentumsdelikt

Handtasche mit Bargeld gestohlen: Polizei fahndet nach Täter Ein bislang unbekannter Täter soll am Freitag gegen 10.45 Uhr einem Passanten im Bereich der Wilhelmstraße eine Umhängetasche gestohlen haben. Darin befand sich eine bislang unbekannte Menge Bargeld. Nach...