Kongo: Hoffnungszeichen in der größten Not

Es ist bewegend und bedrückend, was DMG-Missionarin Kerstin Weiß aus Bunia im Nordosten des Kongo schreibt. Sie und unsere Partnerwerke sowie die CECA20-Kirche vor Ort bitten dringend um Hilfe für zehntausende Menschen, die vor einem blutigen Konflikt rund um die Stadt Djugu geflüchtet sind. Kerstin Weiß berichtet:

(zg) Die Situation in unserer Krisenregion steht in gewisser Weise still: Geschätzt 400.000 Menschen sind in den vergangenen Monaten aus der Region Djugu geflohen. Viele über den Albertsee nach Uganda, aber auch Zehntausende nach Süden zu uns in die Stadt Bunia. Seit Anfang Februar haben militante Gruppen unbekannter Herkunft Djugu und Umgebung heimgesucht, Dörfer niedergebrannt und wahllos Menschen ermordet – Männer, Frauen, Kinder, Greise – vermutlich um Bodenschätze der Region zu plündern.

Momentan scheint es relativ ruhig zu sein, man hört nur vereinzelt von Zwischenfällen. Trotzdem wagt sich kaum jemand in die betroffene Region zurück. Niemand weiß, wo die Attentäter sich gerade aufhalten und was sie weiter planen. Tausende Vertriebene hier in Bunia warten. Jeder sehnt sich nach seinem Zuhause. Aber was erwartet die Menschen dort, wenn sie eines Tages zurückkehren können? Abgebrannte Dörfer, Schulen und Krankenhäuser! Alles muss neu aufgebaut werden, das erfordert Zeit und Geld. Felder müssen wieder bestellt werden, sonst hungern die Menschen. Unglücklicherweise ist die betroffene Gegend die Vorratskammer der ganzen Provinz. Der Boden dort ist fruchtbar und weite Landstriche wurden früher von der Region Djugu aus mit Nahrung und Gemüse beliefert. Jetzt liegt alles brach, ist geplündert und nicht mehr bestellt.

Viele Familien sind noch immer getrennt. Manche wissen bis heute nicht, ob Angehörige noch leben. Auf der Fahrt über den See nach Uganda sind Boote gekentert und ganze Familien ertrunken. Andere sind irgendwo auf der Flucht vor den Milizen zum letzten Mal gesehen worden. Was ist aus ihnen geworden? So viele Fragen und keine Antworten. Zurück nach Djugu? Mit nichts neu beginnen? Welche Möglichkeit bleibt sonst? Im Moment oft nur das Gebet: um Weisheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um Gottes Schutz und Geleit, Frieden und Sicherheit … Bitte betet mit!

Herzlichen Dank an dieser Stelle allen, die bisher mitgeholfen haben, den Tausenden von Vertriebenen Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen: Nahrung, Kleidung, Küchengeräte, medizinische Versorgung, Schulunterricht für Flüchtlingskinder usw. In aller Not und allem Trauma ist Ihre Hilfe ein Hoffnungsstrahl, der voller Dankbarkeit ergriffen wird. Jesus segne Sie dafür!

Ein Beispiel, was der Konflikt mit den Menschen macht:

„Irgendwer muss doch überlebt haben!“

Dzali ist 76 Jahre alt. Er kommt aus Rulee, einem Dorf in den Bergen, 120 Kilometer nördlich von Bunia. Dort lebte er mit seiner Frau Ngavele, vier Kindern, Enkeln und seiner Schwester. Mitten in der Nacht kamen die Angreifer. Lautlos schlichen sie ins Dorf und zündeten die Häuser an. Als die ersten Rufe „Feuer, Feuer!“ erschallten, schlüpfte er schnell in Hose, Jacke und die einzigen festen Schuhe, die er besaß, und rannte wie alle anderen nach draußen, um zu helfen. Dort warteten die Angreifer.

Mit Macheten gingen sie auf die unvorbereiteten Dorfbewohner los. Es war ein Massaker, das blanke Entsetzen. Jeder rannte in panischer Angst ums Leben, irgendwohin, nur weg. Dzali erinnert sich noch gut an das Inferno. Die Häuser mit Strohdächern brannten lichterloh. Dazwischen die Attentäter mit ihren furchtbaren Waffen, die erbarmungslos auf jeden einhieben: Frauen, Kinder, alle. Dzali konnte in den Busch entkommen, wo er sich versteckt hielt. Morgens suchte er verzweifelt nach seiner Familie, er fand niemanden. Gemeinsam mit einem anderen alten Mann machte er sich auf den Weg nach Bunia: 120 Kilometer zu Fuß, nur mit dem, was er auf dem Leib trug.

Er hoffte, dass seine Familie nach Bunia geflohen war. Hier wohnten entfernte Verwandte. Doch er fand niemanden. Die Verwandten wussten nichts von seiner Frau, den Kindern und Enkeln. Er konnte bei ihnen unterkommen, auch sein Freund Damien hat bei ihnen Unterschlupf gefunden. Die Verwandten wohnen etwas außerhalb. Die beiden alten Männer gehen jeden Tag die acht Kilometer in die Stadt, um herauszufinden, ob ihre Familien überlebt haben. Bis heute haben sie keine Nachricht. Irgendwer muss doch überlebt haben!

Was mir bleibt, ist ihnen zuzuhören, Hoffnung zu machen und mit ihnen zu beten. Es gibt nur Gerüchte, welche der vielen Milizengruppen das Dorf niedergebrannt haben. Genaues weiß niemand. Es ist das erste Mal, seit ich im Kongo bin, dass ich die Gewalt und Not so direkt mitbekomme. Mein Team, die CECA-20-Kirche und ich selbst helfen, wo immer wir können. Dabei sind wir sehr dankbar für die Hilfe, die uns über die DMG erreicht hat. Oft ist das einzige, was uns und den Geflüchteten bleibt, ein Gebet und das Vertrauen auf unseren Herrn, der alles im Griff hat, selbst wenn wir manches nicht verstehen. Danke für Ihre Hilfe und Gebete für die Menschen hier.

Fotos, DMG:
* Nothilfemaßnahmen der CECA20-Kirche, mitfinanziert durch die DMG

https://www.dmgint.de/nachrichten/nachrichten-details/kongo-alle-rufen-nach-frieden.html  

www.DMGint.de/Spenden

Quelle: Theo Volland

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Veröffentlicht am 19. Juni 2018, 13:45
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