Markus Gisdol ist das Kunststück gelungen

(zg) Nach Ralf Rangnicks lang zurückliegenden Zeiten hat zum ersten Mal wieder ein Hoffenheimer Trainer bei seinem Einstand einen Sieg geholt. Markus Gisdol ist das Kunststück gelungen – ein echtes Kunststück, wenn man bedenkt, dass er die Mannschaft nur knappe drei Tage auf sein neues Spielsystem einstimmen konnte.

Aber wie es mit Kunststücken so ist, stand auch hier ein kluges Konzept hinter der scheinbaren Leichtigkeit. Die Verpflichtung von Markus Gisdol zielte zwar vor allem langfristig darauf ab, dass Hoffenheim wieder so spielt, wie es einstmals die Bühne der Bundesliga betreten hat: defensiv aufmerksam, offensiv mutig bei schneller Balleroberung, im Mittelfeld aggressiv, kurze Pässe bevorzugend. Aber das hat nun auch kurzfristig schon geklappt. In den ersten zehn Minuten der Partie gegen Düsseldorf glaubte man sich momentweise fünf Jahre zurückversetzt, so temporeich, so mutig und technisch hochwertig ging die TSG gegen die Fortuna zuwerke.

Dass dieser alt-neue Spielstil nicht gleich über 90 Minuten durchzuhalten war, leuchtet nach Jahren der immer defensiveren Spielkonzepte allerdings ein; zu viele tempoverschleppende Momente hat die Mannschaft in sich aufgenommen, zu groß ist die Verunsicherung nach so vielen schwierigen Augenblicken allein in dieser Saison. Und doch war die stabilisierende, Kräfte weckende Handschrift des Trainers über 90 Minuten hinweg zu erkennen. Wie befreit wirkten die Laufwege, das Pressing, das gesamte Miteinander der Mannschaft, die im alt-neuen 4-3-3-System ihre Mitte wiederzufinden schien. Zum Lohn gab es gleich zum Auftakt ein 3:0.

Ein bisschen Glück war natürlich auch dabei. Düsseldorf, vom furiosen Antritt der TSG deutlich überrascht, fand sich nach einer Weile besser zurecht, entwickelte aber nach Firminos Führungstreffer wegen mangelnder offensiver Konzentration kaum echte Torgefahr. Trotzdem hätte die Fortuna jederzeit einen Treffer erzielen können – wie die TSG, die übers gesamte Spiel hinweg torgefährlich blieb und sich nur öfters auf den letzten Metern zum Tor etwas verzettelte.

Aber erinnern wir uns. Auch damals, 2008 und 2009, hat die TSG beileibe nicht jede ihrer vielen Chancen genutzt und defensiv oftmals heikelste Situationen überstehen müssen. Doch in der Aufbruchsstimmung dieser Zeit entwickelte die Mannschaft so viel Optimismus, strahlte so viel Selbstvertrauen aus, dass es ihr immer wieder gelang, Spiele zu ihren Gunsten zu entscheiden. Etwas davon war auch gegen Düsseldorf zu sehen.

Ob jetzt in den verbleibenden sechs Partien genügend Punkte eingesammelt werden können, um wenigstens noch den Relegationsplatz zu erreichen, wird man einigermaßen geduldig abwarten müssen. Fürs erste genügt es, die Wiederkehr jenes für Hoffenheim so typischen und über die Jahre zunehmend verloren gegangenen Spirits zu erleben. Die Schlussphase dieser Saison mag ausgehen, wie sie will: Hauptsache, 1899 Hoffenheim kann wieder an sich selbst anknüpfen.

Im Letzten wird es sich damit dann vielleicht so verhalten wie beim Spiel gegen Düsseldorf – jenes Glück, das man auf den letzten Metern der Saison bestimmt braucht, kann man nur auf sich ziehen, wenn man sich möglichst nah bei sich selbst aufhält. Tatsächlich täuscht ja das Ergebnis von 3:0 etwas über die eigentlichen Kräfteverhältnisse auf dem Platz: Markus Gisdol hat es mit angenehmem Realismus nach dem Spiel selber gesagt. Aber man konnte während des gesamten Spiels sehen, dass sich die Mannschaft ihr Glück verdiente, indem sie trotz phasenweiser Überlegenheit der Fortuna weiter das Gravitationszentrum des Geschehens bildete und damit das Glück regelrecht an sich band. Vielleicht ist auf dieselbe grundoptimistische Weise ja auch der schmerzhafte Ausfall von Torhüter Gomes und Innenverteidiger Abraham zu verkraften. Eine in sich geschlossene Mannschaft kann Rückschläge jedenfalls besser wegstecken, wenn der Spirit stimmt und die innere Haltung zum äußeren Auftreten passt.

Um ein Haar wäre es am Samstag zu einer regelrechten Entwertung der gewonnenen drei Punkte gekommen: Dortmund bot gegen Augsburg in der ersten Halbzeit fast eine B-Elf auf und konnte erst durch die Einwechslung von Götze und Lewandowski in der zweiten Halbzeit das Spiel gerade so noch drehen. Zuletzt gewann der BVB die Partie mit 4:2, sodass Hoffenheim jetzt einen einzigen Punkt Rückstand auf Platz 16 hat. Es wird also wieder spannend, es ist wieder Land in Sicht. Der springende Punkt dabei ist jedoch: Hoffenheim kann das rettende Ufer vor allem deshalb noch erreichen, weil es wieder am eigenen Ufer festmacht.

Quelle: TSG 1899 Hoffenheim von Alexander Hans Gusovius

Veröffentlicht am 11. April 2013, 11:00
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