Polio und Diphtherie

Polio – Kinderlähmung ist grausam!

(zg) Wenn Polioviren die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks befallen, kann das zu bleibenden Lähmungen bis hin zum Tod führen. Die Kinderlähmung ist noch nicht ausgerottet. Aufgrund der „Schluckimpfung“ mit abgeschwächten Lebendviren ging sie seit 1960 drastisch zurück. Die letzte Ansteckung in Deutschland ereignete sich 1990. In den letzten zehn Jahren wurden weltweit durch Impfungen mehr als zehn Millionen Poliofälle vermieden. Heute leben 80 Prozent der Weltbevölkerung in poliofreien Gebieten. Wilde Polioviren gibt es nur noch in Afghanistan und Pakistan. Auch dort wurde 2015 ein historischer Tiefstand der Erkrankungen erreicht. Dennoch kann man bei Reisen ins Ausland weiterhin mit Polioviren in Kontakt kommen. Sehr selten können die bei der Schluckimpfung verabreichten abgeschwächten Lebendviren krankmachende Eigenschaften zurückgewinnen. Daher verwendet man seit 1998 in Deutschland nur noch einen Totimpfstoff. Im April 2016 soll der bisherige Dreifach-Lebendimpfstoff weltweit gegen einen Totimpfstoff oder gegen Zweifach-Impfstoff ausgetauscht werden, weil einer der drei Wildvirustypen als ausgerottet gilt.

Für einen ausreichenden Schutz vor Polioviren müssen wenigstens 95 Prozent aller Kinder mindestens drei Impfdosen erhalten haben. In der Stadt Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis lagen die Durchimpfungsraten bei der Einschulungsuntersuchung im Jahr 2015 über 95 Prozent.

Impftipp: Den Impfschutz gegen Kinderlähmung aufrechterhalten! Bei Reisen Impfschutz überprüfen!
Anzeige SwopperDiphtherie – „Würgeengel der Kinder“

Früher ein Schrecken für Eltern: Entzündliche, fest haftende Beläge ließen den Rachen ihrer Kinder zuschwellen und nahmen ihnen die Luft – viele erstickten. Im Jahr 1884 wurde der Erreger dieser Krankheit entdeckt: Das Diphtheriebakterium, das ein Gift absondert, welches tödlich wirken kann. Der ab 1898 verfügbare Impfstoff war ein Segen. Wurde in Notzeiten weniger geimpft, kam die Diphtherie wieder. In den 1950er Jahren starben in Deutschland noch über 4.300 Menschen daran. Seit 1984 werden nur noch Einzelfälle verzeichnet. Reisende brachten Diphtherie aus Russland, Süd- oder Südostasien mit. Die Impfung schützt nicht lebenslang. Deshalb sind, nach der Grundimpfung im Säuglingsalter, im Alter von 5 bis 6 und von 9 bis 17 Jahren Auffrischungsimpfungen notwendig, danach alle zehn Jahre.

In Baden-Württemberg sind 92 Prozent der Schulanfänger, in Heidelberg 94,2 Prozent und dem Rhein-Neckar-Kreis 92,9 Prozent durch die heute übliche Kombinationsimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio geschützt.

Impftipp: Die nächste Auffrischung gegen Tetanus sollte einmalig als Kombination auch gegen Diphtherie und Keuchhusten erfolgen. Wer weit verreisen will, nimmt Polio dazu.

Fazit: Etwas für sich selbst und die Allgemeinheit tun: Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern durch die sogenannte „Herdimmunität“ auch Personengruppen, die aufgrund ihres Alters noch keine Impfung haben wie beispielsweise junge Säuglinge, die nicht geimpft werden können, Krebspatienten oder Immunschwache und die kleine Gruppe von Menschen, die nach einer korrekt gegebenen Impfung keinen Impfschutz aufbauen – sogenannte „Non-Responder“.

Quelle: Silke Hartmann

Veröffentlicht am 5. Mai 2016, 10:00
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