Schicksalsspiel

Eine Niederlage in Fürth hätte die Lage von 1899 Hoffenheim dramatisch verschärft, selbst ein Remis hätte nicht viel genutzt. Insofern kommt dem Sieg gegen die Franken ganz besondere Bedeutung zu, die noch von schicksalhaftem Gewicht sein kann: falls sie den Wendepunkt markiert.

Denn am Freitagabend hatte Augsburg gewissermaßen vorgelegt und durch die Heimniederlage gegen Nürnberg beste Voraussetzungen geschaffen, das sich immer bedrohlicher schließende Fenster namens Klassenerhalt wieder ein Stück weit aufzustoßen. Hoffenheim hat die Gelegenheit genutzt – aber eben nicht nur genutzt, sondern sich zugleich eindrucksvoll bei den Fans, bei der Konkurrenz und bei sich selbst zurückgemeldet. Wesentlich daran beteiligt war einer, der zum Hoffenheimer Urgestein zählt: Tobias Weis.

Er war der Mann des Tages. Nicht nur, dass er zwei brillante Vorlagen zu Toren gab und selber eines schoss (dazu noch sein allererstes in der Bundesliga): Tobias Weis war während des gesamten Spiels jener enorme Unruhefaktor, der in solchen Partien den Unterschied macht. Immer anspielbereit, immer unterwegs, vorwärts wie rückwärts, mutig da, wo es wehtut, uneigennützig und mit kluger Spielübersicht ausgestattet – dieser Tobias Weis verkörperte im Spiel gegen Fürth eine Hoffenheimer Tradition, die es entgegen allen billigen Klischees eben doch gibt.

Es ist die Tradition des aggressiven Störens und des mutigen Spiels nach vorn. Die ganze Mannschaft hat sich daran aufgerichtet und den Gegner einerseits kontrolliert, andererseits stark verunsichert. Die Ballstafetten nach vorn, jederzeit schnell und gefährlich vorgetragen, waren der Kontrapunkt zu einer den Gegner ebenso zermürbenden sicheren Defensivarbeit. Fürth fand zu keinem Zeitpunkt ein Mittel gegen diese Hoffenheimer Doppelstrategie.

Es tat unendlich gut, dieses Spiel anzuschauen – und es tat gut, den klaren Zusammenhalt und die emotionale Geschlossenheit der Mannschaft zu sehen, defensiv wie offensiv, beim Torjubel und nach dem Abpfiff. Wer je daran zweifelte, wurde am Samstag wiederlegt: Hoffenheim ist kein seelenloser Haufen, keine Söldnertruppe, keine Ansammlung von Egomanen, keine Agglomeration von Selbstsucht. Nein, Hoffenheim ist ein leidenschaftlicher Fußballverein wie jeder andere, mit Spielern, die ihr Bestes geben wollen, für den Verein, für die Fans.

Firminos gelb sanktionierter Jubellauf zu den Fans nach seinem Tor steht dafür wie ein Symbol. Der viel kritisierte, hoch sensible Fußballkünstler konnte einfach nicht anders, als seinen Glücksgefühlen freien Lauf zu lassen, sich das Trikot vom Körper zu reißen und mit den Fans zu feiern. Noch einmal: Seelenlosigkeit sieht anders aus. Nur ist in Hoffenheim in dieser Saison leider so vieles so fatal schiefgelaufen, wie das nur ganz selten geschieht. So dass es noch sehr viel Energie und vielleicht auch etwas Glück braucht, um die verfahrene Lage auf den letzten Metern noch zu drehen.

Gegen Fürth wurde ein belastbarer Anfang dafür gemacht.  Allen voran hat Tobi Weis den Urgrund der TSG wieder sichtbar werden lassen. Hoffenheims fast schon verlorengegangene Selbstwahrnehmung verfügt endlich wieder über reale Anknüpfungspunkte. Sodass es darauf ankommt, vor der Länderspielpause den angesponnenen Faden nicht abreißen zu lassen, auch wenn Mainz, in einer Woche zu Gast in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena, ein anderes Kaliber als Fürth ist. Doch wer gegen die Bayern gut aussah und in Fürth so überzeugend auftrat, kann auch gegen Tuchels Truppe etwas ausrichten.

Quelle: TSG 1899 Hoffenheim von Alexander Hans Gusovius

Veröffentlicht am 12. März 2013, 11:00
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