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Streetworker

31. Januar 2015 | Anekdoten, Das Neueste

(zg) In Hamburg kam ich zum ersten mal in Berührung mit den Verkäufern der Zeitung. Es sind Obdachlose, die Letzten der Gesellschaft. Sie verkaufen die Zeitung „Streetworker“, Arbeitslos, Obdachlos, Hoffnungslos?

Pro Exemplar bekommen sie vielleicht einen Euro, den sie behalten dürfen. Ein Anfang, ein Versuch wieder ins Leben zu kommen. Na ja, in Mannheim habe ich kürzlich einem solchen Mann eine Zeitung abgekauft und habe ihm noch etwas mehr gegeben. Er war überrascht, dass ich ihm ohne zu fragen, ein Exemplar abgekauft habe

Ich lese die Zeitung recht gerne. Sie macht schon nachdenklich. Ab und zu steht auch ein Gedicht darin. Eines davon möchte ich Dir schreiben.

D i e A r m e n

Die Armen haben immer

zu kurze Arme, um

nach den Gütern dieser Erde zu greifen.

Glück, Wohlstand, Frieden, Freude,

ja selbst nur Essen und Trinken,

anständiges Wohnen

Bildung, Erziehung können sie

mit den zu kurzen Armen nicht ergreifen.

Wie ergreifend sie

mit den zu kurzen Armen, den Stummelfingern,

immer wieder greifen und nichts ergreifen,

fast nichts begreifen.

Warum sind sie auch so zu kurz gekommen?

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 D i e   R e i c h e n

Die Reichen haben immer

lange Arme, um

nach den Gütern dieser Erde zu greifen.

Glück, Wohlstand, Rüstung, Ekstase

Fressen, Ficken, Saufen,

Villen, Paläste, Inseln,

Know How, Tricks, Lügen.

Wie reichlich sie

mit den reichen Armen,

den Geierkrallen, immer weiter um sich greifen,

alles ergreifen,

fast nichts auslassen.

Sollte es den Armen nicht bald mal reichen?

M.A.F.Gummibaum

Das ist heute keine schöne Geschichte, aber doch Realität.

Mir tun die Menschen leid. Wir sind ja dienstlich auch oft mit solchen Menschen zusammengekommen, mussten sie festnehmen, auf die Dienststelle schleppen und haben ihnen manchmal ein Vesper gegeben. Und überrascht waren sie schon, als wir ihnen einen Kaffee angeboten haben. Oder der Omnibus mit Frauen und Kindern und natürlich mit Männern, aus –woher waren sie überhaupt, aus Kasachstan? Egal, wir haben sie mit jeder Menge Tee versorgt und gaben ihnen zu Essen und zu Trinken. Die ganze Omnibusladung, meist Frauen und Kinder, durften auf der warmen Dienststelle übernachten. Eine Situation wird mir unvergessen bleiben. Als nach Aufforderung durch ihre Mütter, alle Kinder sich in einer Reihe aufstellten und sich aus Dankbarkeit verbeugten.

Sternstunden, wie ich meine!

Einen Brief von unserer Dolmetscherin in Zusammenhang mit dieser Aktion und dem ersten Auflösungsversuch der Autobahnpolizei Sinsheim, den „schnellen Bullen“ von der Autobahn, gebe ich euch demnächst zur Kenntnis.

„Übrigens: Ein junger Polizeibeamter, der bei uns sein Praktikum für den höheren Polizeidienst machte, begleitete die Flüchtlinge im Bus bis zur Flüchtlingsaufnahmestelle in Karlsruhe. Er ist heute Leitender Polizeidirektor im Polizeipräsidium Mannheim.

So, das wars.

Ich wünsche euch nicht zu kurze Arme. 

Quelle: Adolf Skrobykoi

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