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Lob und Tadel für Deutschland

23. September 2016 | Das Neueste, Politik

(zg) Der vorgestellte OECD-Bildungsbericht ist aus Sicht des Baden-Württembergischen Handwerkstages als Zwischenzeugnis zu verstehen. Es gäbe viel Lob für Deutschland, aber auch Tadel. „Die Politik darf sich auf den geernteten Lorbeeren nicht ausruhen, sondern muss ihre Hausaufgaben erledigen“, erklärte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold.

Der OECD-Bildungsbericht belege nicht nur die guten Arbeitsmarktchancen von ausgebildeten Fachkräften, sondern auch ihre sehr guten Verdienstmöglichkeiten. „Es lohnt sich, eine duale Ausbildung zu machen“, kommentierte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold den neu vorgelegten Bericht. Er zeige, dass Handwerksmeister im Vergleich zu Bachelor-Absolventen vergleichbar hohe Einkommen erzielen könnten.

Der vergleichsweise hohe Anteil von jungen Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung überraschte Reichhold nicht: „Dies ist eine Folge unserer guten Konjunktur. Es gibt genügend Arbeit, da findet man auch ohne formalen Berufsabschluss einen Arbeitsplatz“. Dies belege auch die niedrige Arbeitslosenquote von nur 3,9 Prozent in Baden-Württemberg. Hinzu käme, dass aufgrund der zuletzt abgeschlossenen Tarifverträge in vielen Branchen hohe Löhne für ungelernte Arbeitskräfte gezahlt würden. „Je höher der Lohn für Hilfstätigkeiten in der Industrie, desto geringer ist der Anreiz, eine handwerkliche Ausbildung zu beginnen“, fasste Reichhold das Dilemma zusammen. Im Handwerk in Baden-Württemberg könnten schon lange nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzt werden.

Anzeige SwopperWeitaus kritischer sieht der Baden-Württembergische Handwerkstag die weiterhin niedrigen Bildungsausgaben in Deutschland. Alle Parteien würden stets betonen, wie wichtig eine gute Schulbildung und Ausbildung für die Startchancen in das Berufsleben sind. „Warum hat es Deutschland dann nicht geschafft, den Anteil des BIP für Bildungsausgaben zu erhöhen“, fragte Reichhold.  Im Vergleich zu Spanien oder Italien würde Deutschland nur unwesentlich mehr Geld ausgeben.

Quelle: Jens Nusser

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