Angst und Unruhe lindern mit der Kraft der Natur

Jeder Mensch kennt dieses Gefühl: Das Herz schlägt bis zum Hals, die Hände werden schweißnass, der Atem geht flach und schnell. Angst ist eine überaus unangenehme Empfindung, die wohl niemand gerne verspürt.

Das Spektrum an Angstgefühlen ist riesig. Sie können sich als flaues Gefühl im Magen äußern oder in Form von psychosomatischen Beschwerden wie Verdauungsproblemen und Kopfschmerzen. Einige Menschen leiden unter Panikattacken, bei denen die Betroffenen oftmals befürchten, zu sterben. Dauern die belastenden Ängste länger an, sollten Sie einen Arzt oder Psychotherapeuten konsultieren, da auch ernsthafte Krankheiten dahinterstecken können. Neben einer professionellen medizinischen Betreuung können weitere Methoden dabei helfen, Ängste und Unruhezustände zu lindern.

Angst – ein natürlicher Überlebensinstinkt
So unangenehm sie auch ist – Angst ist ein evolutionär bedeutsames Gefühl, das unser Überleben sichert. Angst warnt uns vor potenziell gefährlichen Situationen, indem sie den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Sind wir mit einem Stressor konfrontiert, wird die sogenannte Flucht-Kampf-Reaktion aktiviert. Diese Reaktion wurde von dem US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon erstmals beschrieben. Sie versetzt uns in die Lage, in potenziell gefährlichen Situationen schnell reagieren zu können. Dabei wird das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet, Puls- und Atemfrequenz beschleunigen sich. Alle nicht überlebensnotwendigen Körperfunktionen, beispielsweise die Verdauung und der Sexualtrieb, werden vermindert. Unseren Vorfahren nützte diese Reaktion, um beispielsweise vor gefährlichen Raubtieren zu flüchten oder sich zur Wehr zu setzen. Angst mobilisiert schließlich alle Kraftreserven.

Wenn Stress und Angst chronisch werden
In der Urzeit waren Stresssituationen dadurch gekennzeichnet, dass sie akut und zeitlich begrenzt auftraten. In Gefahrensituationen war das Stressniveau kurzzeitig sehr hoch; der intensiv empfundene Stress verringerte sich jedoch auch schnell wieder, wenn die Gefahr ausgestanden war. Heutzutage sind es jedoch gänzlich andere Situationen, die uns in Anspannung versetzen: finanzielle Nöte, Sorgen und Zukunftsängste beispielsweise. Diese als belastend empfundenen Faktoren sind nicht selten permanent vorhanden und führen mit der Zeit zu einer chronischen Anspannung. Chronischer Stress – und damit chronische Angst – kann noch weitere Ursachen haben: Belastende Lebenssituationen, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt, psychische Störungen oder erlebte Traumata. Auch körperliche Erkrankungen wie Schilddrüsenfehlfunktionen oder Hormonimbalancen können zu innerer Unruhe führen. Sind Stress und Ängste tägliche Begleiter, ist es an der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Durch die ständige Anspannung befindet sich der Körper nämlich dauerhaft in einem sehr hohen Erregungszustand. Kommt man nicht zur Ruhe, kann er nicht mehr regenerieren und wird auf Dauer krank.

Wie pflanzliche Mittel gegen Angst helfen können
Pflanzliche Wirkstoffe können Angst- und Unruhezustände auf sanfte Weise lindern. Anders als chemisch hergestellte Medikamente haben pflanzliche Mittel, die beruhigend und stresslindernd wirken, kein Abhängigkeitspotenzial. Daher können sie auch längerfristig eingenommen werden. Sie haben in der Regel wenige Nebenwirkungen und sind vergleichsweise gut verträglich. Viele Präparate enthalten Wirkstoffe wie Lavendel, Passionsblume, Hopfen, Melisse oder Baldrian – entweder einzeln oder in Kombination. Was jedoch wichtig zu wissen ist: Pflanzliche Präparate müssen sehr hochdosiert und über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Erforderlich ist eine Anlaufzeit von etwa zwei bis vier Wochen, in denen sie kontinuierlich zugeführt werden. Damit eignen sie sich weniger als Notfallmedikation bei einer Panikattacke oder einem anderen starken Angstzustand. Obwohl pflanzliche Präparate zu den sanften Medikamenten gehören, bedeutet das nicht, dass gar keine Nebenwirkungen auftreten können. Insbesondere Allergiker, Schwangere und stillende Mütter sollten die Wirkstoffe nur in Absprache mit einem Arzt einnehmen.

Weitere hilfreiche Maßnahmen bei Angst oder Unruhe
Zusätzlich zu einer medikamentösen Behandlung kann es bei Angstzuständen hilfreich sein, psychische Entspannungstechniken zu lernen. Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson sind hierfür besonders effektiv. Entspannungskurse können unter Umständen sogar als sogenannte Präventionskurse mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Auch Übungen, die die Körperwahrnehmung verbessern und einen achtsamen, bewussten Atem schulen – unter anderem Yoga, Tai-Chi und Qigong – können Angstzustände lindern, sofern sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum geübt werden. Da ein ungesunder Lebensstil psychisches Unwohlsein noch verstärkt, sollten Sie darauf achten, sich regelmäßig an der frischen Luft zu bewegen, wenig zu rauchen und den Koffein- und Alkoholkonsum einzuschränken. Nehmen die Angstzustände überhand und schränken sie den Alltag übermäßig ein, ist möglicherweise eine Psychotherapie indiziert. Zur Behandlung von Angststörungen kommen verschiedene psychotherapeutische Verfahren infrage. Eines der am besten untersuchten und wirksamsten ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie erfordert eine direkte Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten und kann daher eine besondere Herausforderung darstellen. Jedoch wirkt sie sich bei Erfolg nicht nur günstig auf die Ängste aus. Auch andere, mit der Angst einhergehende Beschwerden wie Depressionen oder Zwangshandlungen können mit einer Verhaltenstherapie gelindert werden.

Ängste sind kein Zeichen von Schwäche
Viele Betroffene zögern bei Ängsten oder Depressionen lange damit, ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einzuholen. Dies führt leider häufig dazu, dass sich die Symptome verschlimmern. Machen Sie sich bewusst, dass es natürlich und menschlich ist, unter Ängsten zu leiden. Spätestens wenn Sie merken, dass Ihr Alltag dadurch eingeschränkt wird und Sie einen Leidensdruck spüren, sollten Sie nicht zögern, sich einer Fachperson anzuvertrauen.


Photo by Couleur on Pixabay

Veröffentlicht am 9. Juni 2020, 14:46
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