Armut hat eine Grenze und Reichtum ein Maß

¨Was kann man tun, um Armut zu verhindern oder zu lindern?¨. Dies sollte bei einem Fachgespräch in Rauenberg geklärt werden. Eingeladen hierzu hatte am 9. Juli 2013 SPD-Bundestagskandidat Lars Castellucci im Rahmen seiner Armutskampagne Menschen, die auf Grund ihrer Aktivitäten mit Armut konfrontiert werden. ¨Armut ist unter uns, oft weiblich und schaut uns mit Kinderaugen an.¨ Diese Aussage ist auf der Internetseite Lars Castelluccis zu finden. Ulrike Ihle-Herzel, Vorsitzende des Fördervereins der Mannabergschule und Mitinitiatorin der 8chtsam-Intiative Rauenberg, berichtete  über Berührungspunkte, die sie mit Armut in ihrer Funktion als Fördervereinsvositzende ihrer Schule hatte. Armut ist ein weiter Begriff und die Grenzen von finanzieller Not zur Armut sind oft fließend und schwer erkennbar. Die Vorstandschaft des Schulfördervereins konnte jedoch schon öfter helfend eingreifen, wenn die finanziellen Mittel, z.B. bei alleinerziehenden Müttern, nicht ausreichten. So wurden in ihrem Verein z.B. in Vergangenheit unbürokratisch über anonyme Spender finanzielle Zuschüsse für Landschulheimaufenthalte oder für notwendige Nachhilfestunden gegeben, die über den Verein jahrelang angeboten wurden.

Bei ihren Ausführungen zum Thema Armut ging Frau Ihle-Herzel auch auf den Begriff  „Bildungsarmut“ und „soziale Armut“ ein, die häufig gekoppelt mit finanzieller Armut sind und die leider viel zu oft in Familien von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese Kette gilt es zu unterbrechen. Nur ¨starke¨ Kinder sind gewappnet für die vielfältigen Anforderungen des Lebens.  Das hat sich die Initiative 8chtsam zur Aufgabe gemacht. „Wir erziehen heute die Gesellschaft von morgen und deshalb sind Sozialkompetenz und Bildung für alle Kinder wichtig.“  Aus diesem Grund gilt der Fokus der Initiative den Kindern und den jungen Familien. Hier gilt es Unterstützung zu leisten durch Schulung, Training im Sozialverhalten und Gewaltprävention. Denn starke Menschen sind widerstandsfähig, stützen Schwächere, erreichen eine gute Ausbildung mit Abschluss und mit Sicherheit einen zukunftsfähigen Arbeitsplatz. Auch wenn die Initiative hier Vorbildliches in allen Rauenberger Kindergärten und Schulen leistet, um Sozialkompetenz in der Gesellschaft zu verankern, muss diese Bildung auf lange Sicht vermehrt in den Kindergarten- und Schulalltag mit einfließen z.B. durch Schulungen und durch die Einstellung von mehr Erziehungs- und Lehrkräften. Denn Sozialkompetenz kommt vor Bildungskompetenz und nur so kann eine Chancengleichheit hergestellt werden.

Für Lars Castellucci ist die Armutskampagne ein wesentlicher Baustein seines Wahlkampfes. Gerade im ländlichen Gebiet ist zwar die Welt oberflächlich in Ordnung, doch auch hier herrscht Armut, häufig versteckt und verborgen. ¨Wir brauchen einen gesellschaftlichen Ansatz. Es geht uns nur gut, wenn es allen gut geht. Wir müssen zusammenstehen und die Armut gemeinsam bekämpfen¨ so seine Aussage. Deshalb hat er eine Zukunftstour gestartet und er sieht die Initiative 8chtsam als ein in die Zukunft weisendes Projekt im Sinne seiner Aktion – ein Zukunftsort.

Dieter Fendesack, Seniorenbeauftragter der Stadt Rauenberg, erlebt Armut im Alter. Auf der Suche nach den Themenwünschen der Rauenberger Senioren, entdeckte er die versteckte Armut im Alter in Rauenberg: ¨Es sind Menschen, die nicht sichtbar sind, die sich abkapseln von der Gesellschaft und nicht mehr daran teilhaben.¨ Unter unwürdigen und ungesunden Verhältnissen lebend, bei einer Rente unter 200 €, kamen diese Menschen oft unverschuldet in finanzielle Not. Der Weg zu den Sozialämtern ist oft verwehrt durch Unkenntnis und Missverständnisse. Sie brauchen eine Begleitung – einen Paten -,  der  ihnen beisteht bei Behörden, wenn Beamten nicht den Menschen sondern nur die Sache sehen und die Hilfe suchenden Menschen unwürdig behandeln. Sie brauchen Paten, die ihnen den Weg zur Wieslocher Tafel ermöglichen und die Wege zu ärztlicher Versorgung. Aber auch Menschen, die bereit sind den Haushalt zu ordnen, für Sauberkeit, Hygiene und für regelmäßiges Essen zu sorgen. Hier stützt der Seniorenbeauftragte sich auf ein Team bereitwilliger Helfer, das in dankenswerter Weise alles erledigt, was die Sozialstation nicht erreichen kann. ¨Frage nicht was die Gesellschaft für dich leisten kann, sondern frage was du für die Gesellschaft leisten kannst,¨ zitiert Herr Fendesack J.F. Kennedy.

¨Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen und seine Würde darf nicht durch das unmenschliche Verhalten von Behörden verletzt werden,¨ das ist die feste Meinung von Lars Castellucci. „Armut hat eine Grenze und Reichtum ein Maß!“ Die Teilnehmer des Fachgesprächs stimmten dem zu und waren sich einig, dass unsere gemeinsame Aufgabe die Bekämpfung jeglicher Armut ist, unabhängig ob sie verborgen, finanziell oder sozial ist oder sich in fehlender Bildung zeigt. Es ist wichtig diese Menschen wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen. Lars Castellucci bekankte sich bei den Gästen für ihre Teilnahme und Informationen und speziell für ihr soziales Engagement. Er dankte auch Christiane Hütt-Berger vom SPD-Ortsverein für die Organisation des Fachgesprächs und den übrigen Teilnehmern.

Veröffentlicht am 23. Juli 2013, 09:00
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