Ein Anfang ist gemacht

(zg) Neunzig Minuten hat Hoffenheim gegen Gladbach gekämpft, wie man es in der Hinrunde oft genug nur eine Halbzeit lang gesehen hat. Neunzig Minuten stand die Mannschaft diesmal geschlossen auf dem Feld und überzeugte die Fans. Der Lohn war ein Unentschieden. Das klingt nicht nach viel, ist aber, nach der Negativserie vor der Winterpause, ein Anfang.

Der Gegner war schließlich nicht irgendwer. Für Gladbach lief die Hinrunde zwar nicht so glänzend, wie der Vorjahresdritte sich das gewünscht hatte. Aber die Fohlen halten nach wie vor Anschluss an die internationalen Plätze und sind alles andere als ein Leichtgewicht. Umso schwerer wiegt es, dass die TSG defensiv derart sicher agierte, dass Gladbach zu kaum einer nennenswerten Chance kam. Das ist angesichts der teilweise desolaten Lage in der Verteidigung während der Hinrunde mehr als nur bemerkenswert.

In diesem Auftaktspiel war denn auch deutlich zu sehen, dass man die Defensivergebnisse der Vergangenheit nicht allein der Viererkette oder den Torhütern zurechnen durfte, sondern dass sie eine Folge des gesamtmannschaftlichen Auftritts waren. Was Marco Kurz in den wenigen Wochen seit seinem Amtsantritt hier bewirkt hat, ist phänomenal. Die ganze Mannschaft verteidigte wie aus einem Guss und entnervte die Gladbacher Offensive durch klare Laufwege und aggressives, kluges Pressing.

In der zweiten Halbzeit, als Gladbach auf 4-3-3 umgestellt hatte und eine Zeitlang nach vorn mehr Dominanz entwickelte, stand Hoffenheim zunächst tiefer und hätte sich vielleicht doch noch den Schneid abkaufen lassen können. Aber die neu gewonnene Sicherheit auf den Positionen und besonders die klaren Rollenzuweisungen kamen auch dann zur Geltung. Mit dem Effekt, dass Gladbach immer noch keine besondere Torgefahr entwickelte. Für Tim Wiese, wieder die Nummer 1 im Tor, wurde es fast ein geruhsamer Nachmittag, auch weil er die Abwehrleute vor ihm sicher dirigierte. Viel hatte er darum nicht zu halten – und was zu halten war, hielt er souverän.

Die Aufholjagd hat damit begonnen. Der gewonnene Punkt, durch neues Leistungsvermögen errungen, lässt den für Hoffenheimer Verhältnisse reichlich ungewohnten Kampf gegen den Abstieg gar nicht so aussichtslos erscheinen, wie es der Punkteabstand zum rettenden 15. Platz nahelegt. Doch sollte man sich zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht mit Zahlenspielen belasten. Was allein zählt, ist die erbrachte Leistung, auf der man aufbauen kann. Entwickelt sich das weiter, werden die notwendigen Punkte folgen. Immerhin liegt eine ganze Halbsaison vor uns, die noch viele Überraschungen bereithalten kann und wird, auch für die Konkurrenz.

Fängt man heute schon an, an vier Fingern, im Kopf oder mit dem Taschenrechner kalkulieren zu wollen, wann wie viele Punkte gewonnen bzw. von der Konkurrenz hilfreich verloren werden müssten, um das große Ziel zu erreichen, belastet man nur sich selbst und die Mannschaft. Denn jeder Gedanke vom eigentlichen Spielgeschehen weg ist eine Fixierung auf die fatale Entwicklung der Hinrunde. Und genau die muss man aus dem Kopf bekommen, auch die Spieler selbst. Sonst bleibt der hemmende Faktor der ersten Halbsaison in den Beinen und Köpfen fest verankert. Was es stattdessen braucht, ist ein neuer Zusammenhang, wie er im Spiel gegen Gladbach in erstaunlicher Dichte bereits zu besichtigen war.

Marco Kurz, so viel kann man schon sagen, tut der Mannschaft gut. Die maximale Verunsicherung, in die sie geraten war, hat er ihr gleich zu Anfang nehmen können. Mag sogar sein, dass bis zum Ende der Transferperiode noch die eine oder andere Verstärkung nach Hoffenheim geholt werden kann, die zu noch mehr Stabilisierung führt. Im Grunde scheint die Mannschaft aber auch mit dem aktuellen Kader durchaus in der Lage, den Abstiegskampf zu bestehen. Am Willen zum Kampf, an Leidenschaft fehlt es ihr jedenfalls nicht. Aber es könnten auf dem langen Weg der Rückrunde auch neue Verletzungen den Weg noch beschwerlicher machen, als er ohnedies ist. Spätestens dann würden neue Kräfte gebraucht. Die aktuelle Verletzung von Sejad Salihovic am Meniskus zeigt, wie rasch solche Situationen eintreten können.

Wenn alle, soviel ist am Samstag gegen Gladbach deutlich geworden, an einem Strang ziehen – und das nicht nur innerhalb der Mannschaft, innerhalb des Vereins, sondern auch aufseiten der Fans –, dann wird die Mission Klassenerhalt nicht scheitern. Die Bereitschaft, alles dafür zu geben, ist in jedem Fall spürbar. Und es wäre auch mehr als schade, wenn der steinige Weg, so unvertraut und außer der Reihe er für uns alle ist, nicht erfolgreich beschritten würde… Kein Erstligafußball mehr in der Region? Nicht auszudenken! Allein die Nachricht, dass Pep Guardiola in der nächsten Saison die Bayern trainieren und leibhaftig am Rande des Sinsheimer Rasen umherspazieren wird, wenn die TSG den Klassenerhalt schafft, verdeutlicht schon den Wert der Hoffenheimer Erstligazugehörigkeit. Einst fast wie ein Geschenk auf uns gekommen, muss sie nun neu erworben werden – und alle können daran mittun. Erstligafußball in Sinsheim ist unverzichtbar, egal wie andere darüber denken. Der Anfang dafür ist gemacht!

Quelle: TSG 1899 Hoffenheim / 1899 Freunde

Veröffentlicht am 24. Januar 2013, 20:00
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