Neues Exponat in luftiger Höhe

Technik Museum Sinsheim freut sich über ein Solarflugzeug

(zg) Anfang der Woche konnte sich das Technik Museum Sinsheim über einen Neuzugang freuen. Statt tonnenschwer ist das Exponat ganze 115 kg leicht, statt Hubraum ist hier Kilowatt entscheidend und statt mit Kerosin kommt es mit Sonnenenergie vom Fleck. Die Rede ist vom Sunseeker II – ein Solarflugzeug, welchem die Überquerung der Vereinigten Staaten gelang.

Angeliefert wurde das Flugzeug von Eric und Irena Raymond. 2015 gelang dem Paar die Alpenüberquerung in einem solarbetriebenen Passagierflugzeug. „Die beiden sind Pioniere in der Solarfliegerei“, stellt Thomas Neudel klar. Er muss es ja wissen – als Hobbyflieger und ehemaliger Vorstand von Flugsportring Kraichgau e.V. Sinsheim kennt er sich mit der Fliegerei aus. Zusammen mit Hans Werner Beck, ebenfalls Mitglied im Flugsportring, vermittelte er den Sunseeker an das Museum: „Als Museumsmitglied war es für mich klar, dass dieses Stück technische Geschichte nach Sinsheim muss. Schließlich ist dieses Flugzeug ebenfalls ein Oldtimer. Hier stehen die Elektrofahrzeuge der ersten Stunde und finden Events rund um die zukünftigen Antriebsarten, wie der E-Mobilitätstag, statt.“

Von 1986 bis 1989 tüftelte Eric an seinem Projekt. Dabei ließ er sich vom Segelflugzeugpiloten Günter Rochelts einsitzigen Muskelkraftflugzeug „Musculair II“ inspirieren. „Der Sunseeker ist eine durch die Sonnenenergie angetriebene Version des Musculair“, erklärt Eric sein Produkt. Mit dem weißen Flieger verwirklichte er die Idee eines Segelflugzeuges mit Elektroantrieb. Dabei soll die Sonnenkraft für einen Horizontalflug ausreichen, indem Akkus die Energie speichern. Die Tragflächen, dabei ist die Rede von ca. 16 Metern Spannweite, sind mit Solarzellen bedeckt. „Dieses Flugzeug fliegt komplett alleine. Es braucht weder Kraftstoff noch Muskelkraft oder gar ein Schleppflugzeug“, erklärt Eric die Besonderheit seiner Konstruktion.

1990 war es dann soweit: In 21 Tagen flog er mit dem Sunseeker von Kalifornien nach North Carolina. Bei durchschnittlichen Bedingungen konnte er bis zu acht Stunden in der Luft bleiben – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 55 km/h. Danach machte er sich daran, das

Flugzeug zu modernisieren: die Nickelbatterien wurden gegen die neuesten Lithium-Polymer-Batterien ausgetauscht, breitere Flügel sowie verbesserte Solarzellen, mit einer gesteigerten Zelleffiziens von 3 % auf 15 %, angebracht. 2006 bekam das Flugzeug einen zweimal so starken Motor, mit einem 5,5 kW-Antrieb, verpasst. Es folgten preisgekrönte Flüge in Japan und in Europa.

Hauptberuflich arbeitete er an einem viel größeren Projekt – dem Solar Impulse von Bertrand Piccard und André Borschberg: Das erste nur von der Sonne angetriebene Flugzeug, welches die Welt umrundete. Die spannende Geschichte rund um diesen Flieger sowie die Geschichte der Elektrizität erzählt der Dokumentarfilm „Planet Power“ im IMAX 3D Kino Sinsheim. Mehr Informationen dazu ist auf der Museumshomepage zu finden: www.technik-museum.de/planet-power

Anfang der 2000er Jahre besuchte Eric das Museum in Sinsheim und war schon damals überzeugt, hier wäre sein Solarflugzeug gut aufgehoben. 2020 ist es dann soweit. Nun hängt das ultraleichte Konstrukt in der Halle 2 des Technik Museum Sinsheim und lässt nur erahnen, welche Möglichkeiten des Fliegens es in der nahen Zukunft geben wird. Eric und Irene arbeiten bereits daran: ein solarangetriebenes Flugzeug für bis zu sechs Personen.

Quelle: Simone Lingner

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Veröffentlicht am 14. Juni 2020, 13:59
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