Wie Hungerhilfe aus Sinsheim im Nordosten Kenias Leben rettet

(zg) „Eure partnerschaftliche Hilfe während der Hungerkatastrophe im Nordosten Kenias 2011 und 2012 war etwas Besonderes: Ihr habt uns afrikanischen Christen vertraut und die nötigen finanziellen Mittel in die Hand gelegt, damit wir selbst unseren Landsleuten helfen konnten – das war der richtige Weg.“ Mit diesen eindrucksvollen Worten dankte der Leiter der kenianischen Mission „TSM International“, Rev. Francis aus Garissa, der Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) für 281.000 Euro, die seine Organisation von dem christlichen Hilfswerk aus Sinsheim erhalten hatte, um während der Dürrekatastrophe zu helfen. Er überbrachte Grüße der kenianischen Kirchen: „Wir danken den Spendern aus Deutschland. Gott hat Ihre Gaben gebraucht, um tausenden Menschen in Kenia das Leben zu retten und Hoffnung für die Zukunft zu gegeben.“

Bei seinem Besuch der DMG auf dem Buchenauerhof im Mai 2013 schilderte Pastor Francis, wie in seiner Heimat im Herbst 2011 das zweite Mal die Regenzeit ausblieb und einer halben Million Menschen die letzten Vorräte ausgingen. „So viele hungerten“, sagte er, noch immer sichtlich bewegt. Besonders betroffen war die Region der 70.000-Einwohner-Stadt Garissa, wo Rev. Francis mit seiner Familie lebt, und im 120 Kilometer entfernten Flüchtlingslager Dadaab. Dort war die Versorgung zusammengebrochen, und 400.000 Menschen aus dem Sudan, Somalia, Kongo und Äthiopien hatten kein Wasser und Essen mehr.

Rev. Francis berichtete: „Unsere 80 Mitarbeiter begannen sofort, Nahrung in die Hungergebiete zu fahren und Unterernährte medizinisch zu versorgen. Wir hatten gute Kontakte zu lokalen christlichen Gemeinden, doch wie sollten wir die Tonnen an Hilfsgütern bezahlen?“ Für den Kenianer war es ein Wunder, dass Organisationen aus dem Ausland, darunter die DMG aus Sinsheim, seinen Helferteams unter die Arme griffen. „Dank Ihrer Finanzhilfe konnten wir Nahrung und einen Lastwagen zum Transport kaufen. Die Christen aus Deutschland schenkten uns so viel Vertrauen, das hat uns berührt.“

Es ist beachtlich, was die kenianische Mission aus den Nothilfegeldern der DMG gemacht hat: Im Flüchtlingslager Dadaab versorgen sie bis heute 1.000 Familien mit Nahrung und Medizin – auch an Weihnachten 2011, als andere Organisationen wegen Terrorattacken das Lager verließen – zudem 2.000 Familien in der Region Wajir. 50.000 Kinder und 100.000 Erwachsene erhielten Nahrung. Mediziner von TSM versorgten 30.000 Patienten, technische Mitarbeiter bohrten und gruben 30 Brunnen gemeinsam mit Einheimischen. Wassertanks wurden aufgebaut und kleine Staudämme errichtet, um Regenwasser zu speichern und künftigen Dürrezeiten vorzubeugen. Die Wasserversorgung für 60.000 Menschen, ihre Felder und Tierherden ist sichergestellt.

Dabei bauten die Helfer von Anfang an auf Nachhaltigkeit: „Wir haben Trainingsfarmen aufgebaut, wo Dorfbewohner Alternativen im Ackerbau erlernen.“ Die Partnerorganisation der DMG versorgt Dörfer mit Saatgut und ermöglicht 4.000 Kindern aus armen Familien die Schulbildung. „Wichtigstes Ziel heute ist die Ausbildung von Dorfgesundheitshelfern und Lehrern, damit jeder zur Schule gehen kann, zu essen hat und Zugang zu einem Arzt findet.“ Dabei liegen Rev. Francis mehr als Brot und Gesundheit am Herzen: „Zusammen mit den Christen im Flüchtlingslager Dadaab haben wir Kirchen aufgebaut und ihre Pastoren ausgebildet“, sagte der kenianische Missionsleiter.

Die Nothilfe im Nordosten Kenias ist nicht ungefährlich; Garissa ist nach wie vor ein Krisenherd. Somalische Milizen machen die Gegend unsicher. In den vergangenen Monaten gab es Attentate auf Polizeistationen, Kirchen, ein Hotel und im Flüchtlingscamp. Ein befreundeter Pastor von Rev. Francis kam bei einem Anschlag ums Leben, kenianische Mitarbeiter wurden verletzt. „Manchmal riskieren wir unser Leben, doch wir beten, dass sich die Situation beruhigt und wir weiter Menschen mit Gottes Liebe beschenken können“, so der Pastor aus Kenia.

TSM ist eine von mehr als 100 Partnerorganisationen der DMG in aller Welt. Die DMG hat als christliches Hilfswerk selbst 400 Mitarbeiter in Übersee, 13 davon in Kenia, die teilsweise ebenfalls in der Hungerhilfe aktiv waren, beispielsweise über Projekte eines weiteren Partners, „SIM international“.

Quelle: Theo Volland

Veröffentlicht am 15. Mai 2013, 09:00
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