Die Gebärmutter: Zentrum der Weiblichkeit und manchmal Anlass zur Sorge

Vortrag an der GRN-Klinik Sinsheim in der Reihe „Im Zentrum: Gesundheit“

Dr. Thomas Schumacher (Foto: GRN)

(zg) Für die einen ist sie Sitz der Seele und Zentrum der Weiblichkeit, für die anderen gibt sie immer wieder Anlass zur Besorgnis und ist Ursache von zahlreichen Beschwerden – die Gebärmutter. Eigentlich nur ein faustgroßer Hohlmuskel im Zentrum des weiblichen Unterleibs, der jedoch stark mit dem Wohlbefinden und Selbstbewusstsein der Frau verknüpft ist. Sie hat zentrale Funktionen, prägt die Statik und ermöglicht es, dass sich die befruchtete Eizelle einnisten kann und es zu einer Schwangerschaft kommt. Treten Störungen und Erkrankungen auf, so stellen diese häufig nicht nur organische Probleme dar, sondern belasten auch die weibliche Psyche. Über die normale Funktion der Gebärmutter, aber auch über Erkrankungen, deren Diagnostik und Behandlungsmethoden sprach Dr. med. Thomas Schumacher, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe GRN-Klinik Sinsheim [am 20. November 2019] im Rahmen der Reihe „Im Zentrum Gesundheit“.

Ein ganz besonderes Organ

Der griechische Name für Gebärmutter ist Hystera. In der Antike, zu Zeiten Platos und Sokrates, galt sie als Organ, das bei zu wenig oder keinem Sex rastlos im Körper umherwandert. Man ging sogar davon aus, dass sie bis ins Gehirn vordringt, sich dort festsetzt und Krankheiten erzeugen kann. Davon ist auch der Begriff „Hysterie“ abgeleitet, die als älteste aller beobachteten psychischen Störungen gilt. „Dass dies alles nur ein Mythos ist, zeigt sich schon allein daran, dass die Gebärmutter durch Bänder befestigt ist und somit gar nicht in der Lage ist, sich überhaupt zu bewegen“, so Dr. Schumacher. „Aber die Gebärmutter ist doch ein ganz besonderes Organ – das einzige im menschlichen Körper, das bei Bedarf, also einer Schwangerschaft, mitwachsen kann und sich danach wieder zurückbildet.“ Normal wiegt die Gebärmutter zwischen 60 und 100 Gramm, am Ende einer Schwangerschaft hat sie ihr Gewicht allerdings verzehnfacht.

Gutartige und bösartige Erkrankungen

Schmerzen oder Blutungsstörungen hat sicher jede Frau ab und zu. Sie können harmlos sein, sollten aber unbedingt ernst genommen werden, da sie neben Ausfluss, Rückenschmerzen oder auch Druck auf Blase und Darm zu den Symptomen gehören, die bei fast allen Gebärmuttererkrankungen auftreten – den harmloseren, aber auch den Karzinomen. Zu den häufigsten gutartigen Erkrankungen gehören Myome. Dr. Schumacher: „Die genaue Ursache für die Entstehung von Myomen ist noch unbekannt, fest steht lediglich, dass das Hormon Östrogen dabei eine entscheidende Rolle spielt.“ Neben Myomen kann es auch zu gutartigen Polypen, funktionellen Blutungsstörungen, Entzündungen, aber auch bösartigen Erkrankungen des Muttermundes und der Gebärmutter kommen.

Bauchspiegelung statt Bauchschnitt

Die Diagnosemethoden sind bei fast allen Erkrankungen gleich: Ultraschall, Gebärmutter- und Gebärmutterhalsspiegelung sowie Bauchspiegelung und Magnetresonanztomographie (MRT). Meist reicht der Ultraschall zur ersten Diagnose und Abklärung aus. Die Bauchspiegelung, die sogenannte Laparoskopie, dient nicht nur der Untersuchung, sondern ist heute auch die am meisten durchgeführte Behandlungsmethode bei gutartigen Gebärmuttererkrankungen. Es erfolgen nur wenige kleine Einstiche, Beckenboden und Blase werden geschont, und das Krankenhaus kann meist nach drei Tagen schon wieder verlassen werden. Vor noch vierzig Jahren hingegen war die bevorzugte Methode immer der Bauchschnitt, meist mit einer Entfernung der kompletten Gebärmutter. „Warum soll man aber mit Kanonen auf Spatzen schießen?“, so der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Jede Operation sollte nicht eingreifender als nötig sein.“ Folgerichtig wird beispielsweise auch bei einer funktionellen Blutungsstörung, die nicht hormonell zu therapieren ist, nur die Gebärmutterschleimhaut zerstört, um eine Entfernung der gesamten Gebärmutter zu vermeiden.

Vorsorge kann Leben retten

Bei bösartigen Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) oder  Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometrium-Karzinom) gibt es häufig keine Frühsymptome. Treten Beschwerden auf, so ist die Krankheit meist schon fortgeschritten und nicht mehr leicht zu therapieren. Deshalb rät Dr. Schumacher zu konsequenter Vorsorge: „Man kann es nicht oft genug betonen – durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können die meisten bösartigen Erkrankungen rechtzeitig erkannt und somit Leben gerettet werden.“ Wichtig ist hierbei vor allem der zytologische Abstrich, um Gebärmutterhalsveränderungen zu erkennen.“ Zum Schluss gab es noch einen Appell an das fast ausschließlich weibliche Publikum: „Schicken, Sie bitte auch Ihre Männer zur Vorsorge, denn die schieben diesen Gang meist gerne vor sich her!“

Quelle: Stefanie Müller

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Veröffentlicht am 29. November 2019, 14:30
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