Offenen Brief der Thermengruppe Josef Wund

An Minister, MDB und MDL

GESCHLOSSENE WUND-THERMEN FÜHREN ZU EXISTENZGEFÄHRDENDER SITUATION

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit dem 16. März 2020 sind unsere Thermen, das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt, die Thermen & Badewelt Sinsheim und die Therme Euskirchen für unsere treuen Gäste geschlossen.

Wie sehr die Menschen unser Angebot vermissen, sehen wir an Hunderten Anfragen jeden Tag. Alle mit derselben Frage: Wann eröffnet die Therme wieder? Alle wissen inzwischen, dass Reisen dieses Jahr mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden können. Umso größer wird der Wunsch, in unseren Anlagen ein paar Stunden Urlaubsfeeling zu genießen.

Natürlich haben wir volles Verständnis für die Entscheidung der Behörden, alles zu unternehmen, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Aber wir als Thermengruppe können nicht mit kommunalen Bädern in einen Topf geworfen werden. Wir erwarten einen branchenübergreifenden Kriterien- und Maßnahmenkatalog für Wiedereröffnungen.

Wir erhalten keinerlei Zuschüsse und fordern Einzelbeurteilung unsrer Betriebsstätten und Destinationen. Wir sind in der Lage, unseren Gästen unter Berücksichtigung aller Abstands- und Hygienemaßnahmen einen sicheren Aufenthalt in unseren Anlagen zu bieten.

Als Teil des Gesundheitssystems haben wir die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Besucher sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit jeher im Blick. Wir haben mit Bekanntwerden des Coronavirus bereits sehr früh weitreichende Maßnahmen ergriffen, die gewirkt haben. Uns ist kein einziger Fall bekannt, wonach sich jemand in unseren Thermen mit dem Coronavirus angesteckt hätte. Das gilt auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wirtschaftlich hat uns die Schließung unserer Bäder hart getroffen. Seit der Schließung am 16. März ist unser Umsatz auf Null! Wir haben keinerlei Möglichkeiten, die 100prozentige Umsatzeinbuße auszugleichen und das bei nach wie vor laufenden Betriebskosten. In unseren Unternehmen sind aktuell 332 eigene Beschäftigte betroffen und schätzungsweise noch einmal die gleiche Zahl an externen Dienstleistern aus Gastronomie oder Reinigung.

Die Umwegrentabilitäten wie z.B. Hotelübernachtungen an den drei Standorten sind in diese Betrachtung gar nicht einbezogen.

Wir bitten Sie als gewählte Volksvertreter, sich für eine Wiederöffnung unserer Thermen einzusetzen. Der Totalausfall zehrt an unserer Substanz und kann nicht durch Hilfskredite der KfW ausgeglichen werden. Und wir bitten Sie, sich auch für finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern für uns einzusetzen. Es ist lobenswert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit einem Schutzschirm die Einnahmeausfälle von Zahnarztpraxen abfedert. Als Teil des Gesundheitssystems erwarten wir, dass uns auch geholfen wird.

Obwohl wir ein ertragsstarkes Unternehmen sind, ist die Situation für uns extrem schwierig. Ein gesundes und vermeintlich krisensicheres Unternehmen gerät ohne eigenes Verschulden in eine existenzbedrohende Situation. Letztendlich bliebe bei noch länger anhaltender Schließung für Unternehmen aus unserer Branche nur der Weg in die Insolvenz.

Als gemeinnütziges Unternehmen, das von der Josef Wund Stiftung getragen wird, fließt der Ertrag unserer Geschäftstätigkeit in die jeweilige Region zurück. Stiftungszweck ist das Engagement für das Gemeinwohl, das sich bei der Josef Wund Stiftung vor allem durch die Förderung von Projekten aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kreativität manifestiert.

Die jetzige Situation gefährdet aber auch die Strategie unseres Unternehmens, die Thermengruppe Josef Wund hat in den letzten Monaten die Entwicklung der Standorte vorangetrieben und nach dem Tod unseres Firmengründers ruhende Pläne wieder aktiviert. Dabei wird über ein Investitionsvolumen von mehreren 100 Millionen Euro gesprochen. Dies ist in keiner Weise mehr realistisch, wenn die aktuelle Situation bis zum Sommer anhält. Damit wird unternehmerische Leistung für die Zukunft verhindert.

Wenn es uns gemeinsam gelingt, die Schließung unserer Thermen zu beenden, stehen unsere Beschäftigten bereit für die schrittweise Wiederöffnung. Wir planen u.a. eine personalisierte Onlinebuchung, Verringerung der Besucherkapazität, mehr Platz zwischen den Liegen. Und wir garantieren die Einhaltung sämtlicher geltender Hygiene- und Abstandsregeln. Details finden Sie in der Anlage.

Wir bitten Sie, nutzen Sie Ihren politischen Einfluss, um uns in dieser bedrohlichen Situation zu helfen.

Herzliche Grüße

Edelfried Balle

Geschäftsführer

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Veröffentlicht am 7. Mai 2020, 08:40
Kurz-URL: https://www.sinsheim-lokal.de/?p=164276 

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