Verbotene Liebe im Schussfeld höfischer Intrigen

„Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller ist nicht nur eine mitreißende Liebesgeschichte, sondern auch ein Politthriller mit tödlichem Ausgang. Joerg Bitterich und Petra Jenni inszenieren den Klassiker in Co-Regie an der Badischen Landesbühne.

(zg) In Sinsheim zeigt die BLB „Kabale und Liebe“ am 17. November 2021 um 19.30 Uhr in der Dr.-Sieber-Halle.

Luise liebt Ferdinand, Ferdinand liebt Luise – und doch steht ihre Liebe unter keinem guten Stern. Sie ist die Tochter des Stadtmusikanten Miller, er der Sohn des Präsidenten von Walter. Ihre Väter sind gegen die unstandesgemäße Beziehung und bereit, sie mit allen Mitteln zu verhindern. Miller fürchtet um den guten Ruf von Luise, der Präsident hat sowieso ganz andere Pläne mit seinem Sohn. Um seinen eigenen Einfluss am Hof auszubauen, will er ihn mit Lady Milford, der Mätresse des Fürsten, verheiraten. Ferdinand rebelliert gegen den Vater: Dessen Allianz- und Machtpolitik ist ihm längst so verhasst wie die Gewaltherrschaft des Fürsten und die verrottete Moral des Hofes. Als er miterlebt, wie sein Vater Luise verhöhnt und sie als Hure beschimpft, droht er ihm, die verbrecherische Geschichte seiner Karriere zu enthüllen. Der Präsident muss sich für den Moment geschlagen geben. Ferdinands revolutionäre, die Standesgegensätze aufhebende Leidenschaft wird durch diesen Vorfall jedoch weiter befeuert. Luises Ängste hingegen wachsen zusehends. Sie fürchtet die Rache des Präsidenten, sieht sich ihrem Vater gegenüber verpflichtet und kann auf die Fluchtpläne ihres Geliebten nicht eingehen. Ferdinand wiederum kann ihre Sorgen nicht nachvollziehen und beginnt, an ihrer Liebe zu zweifeln. Und genau da greift die hinterhältige Intrige, die der Präsident mit seinem Sekretär Wurm – der selbst ein Auge auf Luise geworfen hat – ausheckt: Sie wollen sie als treulose Geliebte präsentieren, die mit Ferdinand ein doppeltes Spiel treibt. Einmal im Teufelskreis aus Eifersucht und Lügen gefangen, führt der Weg direkt in die Katastrophe.

Schiller schrieb „Kabale und Liebe“ mit 25 Jahren auf der Flucht aus dem Machtbereich des württembergischen Herzogs Carl Eugen und verarbeitete darin seine Erfahrungen mit Gewalt und Unterdrückung im Absolutismus. Mit der in ihm propagierten Freiheitsidee und mit seiner Kritik an der fürstlichen Willkürherrschaft sorgte das Stück seinerzeit für einen Skandal.

„Was hat uns der Klassiker heute noch zu sagen?“ Diese Frage sei im Zentrum ihrer Auseinandersetzung mit „Kabale und Liebe“ gestanden, erzählen Bitterich und Jenni. „Der historische Kontext, der Absolutismus, die Ständegesellschaft und die religiösen Moralvorstellungen des Bürgertums, spielen natürlich eine wichtige Rolle im Stück, dennoch verhandelt es sehr viele noch heute aktuelle Themen“, sagt Bitterich. „Im Mittelpunkt steht neben dem historischen Ständekonflikt auch ein Generationenkonflikt. Das Stück erzählt von der ewigen Revolte der Jugend gegenüber dem verkrusteten Establishment, von der Skrupellosigkeit politischer Intrigen sowie von der Unfähigkeit der Liebenden zu gegenseitigem Vertrauen und klärender Kommunikation“, so Jenni.

Zusammen mit dem Schauspielensemble hat das Regieduo in den Proben das Wesen der Liebe zwischen Ferdinand und Luise ausgelotet. Wie liebt Luise, wie Ferdinand? Warum scheitert ihre Beziehung? Sind dafür nur äußere Umstände schuld oder liegt es auch an ihren verschiedenen Liebeskonzeptionen? Liebt der adlige Ferdinand die bürgerliche Luise wirklich oder ist der Stürmer und Dränger vielmehr von seinen revolutionären Idealen angetan? „Eines ist sicher: Obwohl wir heute in Deutschland in einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft leben, die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, sozialer Schichten, Religionen, Bildungsgraden und Einkommensverhältnissen hat es heute oft ebenso schwer wie in der Ständegesellschaft zu Schillers Zeiten“.

Das formale Bühnenbild von Georg Burger besteht aus zwei weißen Wänden, die je mit einer Tür versehen sind. Eine kleine Tür steht symbolisch für die bürgerliche Welt der Millers, eine stattliche Schwingtür für die adlige Welt. Die Wände laufen aufeinander zu, verlieren sich aber, ohne sich zu treffen, in einem schwarzen Loch – die Verbindung von Adelssohn und Bürgermädchen lässt sich im Hier und Jetzt nicht leben. Die Kostüme sind modern mit historisierenden Details und verweisen so auf die ungebrochene Aktualität des Klassikers.

Die Figur von Luise wird von Hannah Ostermeier gespielt, diejenige von Ferdinand von Thilo Langer. Die übrigen Rollen werden vom Ensemble der Jungen BLB verkörpert. Die Inszenierung richtet sich an Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen und wird auch im Abonnement des Abendspielplans gezeigt. Das Publikum darf sich auf einen hochemotionalen Theaterabend im Zeichen der Liebe und der Intrige freuen.

Die Vorstellungen der Badischen Landesbühne finden unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg statt.Mit: Lukas Bendig, Kim Vanessa Földing, Frederik Kienle, Thilo Langer, Hannah Ostermeier, Magdalena Suckow, Luis Volkner, Inszenierung: Joerg Bitterich/Petra Jenni, Ausstattung: Georg Burger

17. November 2021, 19.30 Uhr, Sinsheim, Dr.-Sieber-Halle

Kartenvorverkauf:

Buchhandlung J. Doll, Sinsheim, Telefon: 07261.2322,

E-Mail: [email protected]

Veröffentlicht am 8. November 2021, 06:00
Kurz-URL: https://www.sinsheim-lokal.de/?p=172597 
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